Flecken auf den Erinnerungsbändern

Stellungnahme der ErinnerungsWerkstatt Augsburg

Seit Mai 2017 werden in Augsburg im Rahmen des so genannten “Augsburger Wegs” Erinnerungsbänder im öffentlichen Raum angebracht. Sie sollen dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus am Ort ihrer letzten freiwilligen Wohnstätte dienen. Meist hängen diese Bänder in unmittelbarer Nähe zu viel befahrenen Straßen. Sie sind dort Umwelteinflüssen ausgesetzt, die innerhalb recht kurzer Zeit unschöne Spuren auf der ursprünglich hellglänzenden Oberfläche hinterlassen haben. Das irritiert nicht nur die Paten der bereits bestehenden Erinnerungsbänder. Es hält auch mögliche neue Paten davon ab, sich für ein Erinnerungsband zu engagieren. Die unansehnliche Oberfläche steht in einem deutlichen Gegensatz zu dem Ziel, ein würdiges Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus zu befördern.

 

Die ErinnerungsWerkstatt Augsburg hat deshalb gemeinsam mit Experten an einer Alternative gearbeitet, die weniger empfindlich auf Umwelteinflüsse reagiert und die Optik der ursprünglichen Erinnerungsbänder weitgehend bewahrt. Am 18. Mai werden die ersten Bänder angebracht, die nach der neuen Methode hergestellt sind. Noch hat die ErinnerungsWerkstatt damit keine langfristige Erfahrung. Die Experten sind aber zuversichtlich, dass damit das Problem des unschönen Alterns der Bänder gelöst ist.

 

Edelstahl statt Tombak

 

Die Erinnerungsbänder wurden bisher aus Tombak gefertigt, eine hochwertige und stark kupferhaltige Messinglegierung, die gerne in sakraler Kunst und auf Friedhöfen verarbeitet wird. Dieses Material war Bestandteil eines Entwurfs, der aus einem Wettbewerb der Stadt Augsburg für alternative Erinnerungszeichen als Sieger hervorgegangen war. Im Wettbewerb war klargestellt worden, dass das Material altern und durch diese Alterung eine dunkel-kupferfarbene Oberfläche entstehen würde. Eine solche Patina hätte den Charakter des Gedenkbandes unterstrichen. Nicht klar war den Beteiligten, dass der Prozess des Alterns im Straßenumfeld ästhetisch derart unbefriedigend verlaufen würde. Versuche, das Problem mit Reinigungsmitteln oder Schleifschwämmen zu lösen, führten nur kurzfristig zum Erfolg.

 

Die ErinnerungsWerkstatt hatte die aus dem städtischen Wettbewerb hervorgegangenen Erinnerungsbänder sehr begrüßt und ist weiterhin der Auffassung, dass Form und Farbidee ihrer Bestimmung angemessen sind. Seit allerdings die ersten Flecken aufgetaucht sind, bemüht sich die ErinnerungsWerkstatt um ein alternatives Material.

 

Gemeinsam mit Metallbauern, Gestaltern und Materialwissenschaftlern, die ehrenamtlich nach Lösungen des Problems suchen, schlägt die ErinnerungsWerkstatt eine Lösung vor, die die Optik der ursprünglichen Erinnerungsbänder weitgehend bewahrt, aber keinen bzw. weniger störenden Alterungsprozessen unterliegt: Die neuen Bänder werden aus Edelstahl gefertigt, der im Ofen erhitzt wird. Dadurch erhält der Edelstahl an der Oberfläche eine Färbung, die sich der ursprünglichen Farbidee der Erinnerungsbänder stark angleicht. Edelstahl ist gleichzeitig aber deutlich robuster als Tombak und weniger anfällig für die Umwelteinflüsse, die an den Straßen auf die Erinnerungsbänder einwirken. In Zukunft werden die Erinnerungsbänder also aus thermisch behandeltem Edelstahl bestehen. Die ErinnerungsWerkstatt hofft, damit eine ästhetisch ansprechende und dauerhafte Lösung vorgeschlagen zu haben.

 

Die ErinnerungsWerkstatt dankt allen, die sich ehrenamtlich um diese Lösung bemüht haben, namentlich Herrn Prof. Dr. Helmut Wieser von der Fakultät für Maschinenbau und Verfahrenstechnik der Hochschule Augsburg, sowie dem Metallbildhauer Gerold Sauter und ganz besonders Stephan Beisser von der Designagentur büro ecco.