Viktoria Roth

Geboren: 26.05.1920, Lützelburg

Gestorben: 08.08.1941, Hartheim

Weitere Informationen

Viktoria Roth, geb. am 26.5.19201 in Lützelburg, röm.-kath.,
ermordet am 8. August 1941 in Hartheim bei Linz

Viktoria Roth ist die Tochter des Fabrikarbeiters Xaver Roth und seiner verstorbenen Ehefrau Viktoria Roth, geb. Faul. In zweiter Ehe ist Xaver Roth mit Maria Burghofer verheiratet2.

1926 und 1927 wird Viktoria auf Antrag der Eltern wegen eines Halsdrüsengeschwulst, Augen- und Ohrenentzündungen sowie geistiger Beeinträchtigung vom Schulbesuch zurückgestellt.

Zwischen 1928 bis 1932 wird sie wegen der bekannten Beeinträchtigungen nicht zensiert. Zudem ist sie durch Schwerhörigkeit stark in ihrer Auffassungsgabe eingeschränkt.

Postkarte Schutzengelheim Lautrach, verschickt 1927

 

Die Bezirksfürsorgerin Ella Braun sorgt dafür, dass sie im Alter von 12 Jahren, am 18. Juni 1932, ins Schutzengelheim in Deybach/Lautrach aufgenommen wird. Ein Bild zeigt sie im Alter von 14 Jahren3. Der Landesfürsorgeverband Schwaben übernimmt für 2 Jahre die Kosten ihres Heimaufenthaltes in der Versorgungsklasse III4.

Im Schutzengelheim in Lautrach kann sie individueller gefördert werden. 1935 hat sie ein passables Zeugnis. In Deutsch und Rechnen zeigt sie befriedigende Leistungen, sie ist aber ausgesprochen begabt im Malen und Zeichnen.

Schwester Dolorosa Weiss in Lautrach erkennt ihre Begabungen: „Viktoria überrascht außerhalb der Schule oft durch den Besitz korrekter Schriftbilder, die sie sich frei angeeignet hat. Ein Original! Äussert sich als solches besonders in ihren zeichnerischen Darstellungen. Nach der praktischen und manuellen Seite ist mehr Begabung da und auch Willigkeit zur Betätigung. Das verspricht begrenzte Berufsfähigkeit. Ihre körperliche Robustheit lässt sie zuweilen etwas hart und gefühllos werden. Ein überlegtes, lebhaftes Wesen, aber willig und lenksam“. GEZ. 20.7.1933 Mr. Dolorosa Weiss

Im Juli 1937 wird sie aus der Schule entlassen. Lehrer Richard Baumann fertigt ein Wortgutachten über sie an: „Die Sprache der Schülerin wirkt ganz entsprechend ihrer Körperkraft sehr laut und gewaltig – Ist aber unklar und ungenau. Die Rechenschwierigkeiten können nur mit weitgehendster Veranschaulichung allmählich vermindert werden. Rechnet innerhalb 10 mit den Fingern. Eine Lieblingsbeschäftigung ist ihr das zeichnerische Darstellen alltäglicher Erlebnisse. Die Körperkraft der Schülerin verlangt entsprechende Betätigung. Der Einfluss der Schülerin auf ihre Mitschülerinnen ist zu überwachen … Trotz ihrer etwas poltrigen, robusten Art fügt sie sich, wenn auch nur langsam, dem Willen der Erzieher“.

Es bleibt viel zu wenig berücksichtigt, dass Viktoria stark hörgeschädigt ist und daher viele Fragen nicht beantworten kann. Ein Zeugnis wird aber nicht ausgestellt.

Im Alter von 20 Jahren wird Viktoria am 16. November 1940 vom Schutzengelheim Lautrach in die Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren verlegt.

Zum historisch-politischen Hintergrund des NS-„Euthanasieprogramms“

Am 21. September 1939, also im Schatten des begonnenen Weltkrieges, erfasst das Reichsinnenministerium „sämtliche im Reichsgebiet befindlichen Anstalten“, „in denen Geisteskranke, Epileptiker und Schwachsinnige nicht nur vorübergehend verwahrt werden.“5

Nur wenig später, am 9. Oktober 1939, folgt die „planwirtschaftliche“ Erfassung der Anstaltsinsassen per Fragebogen. Gefragt wird nach Aufenthaltsdauer, Diagnosen, Pflegebedürftigkeit, Arbeitsfähigkeit, nach der Religionszugehörigkeit und eventueller Sicherheitsverwahrung als unzurechnungsfähiger Krimineller. Der Fragebogen möchte ebenfalls Auskunft darüber, welche Angehörigen den Pflegling besuchen6.

Das Reichsinnenministerium lässt die Direktoren der betroffenen Anstalten aber im Unklaren darüber, dass Begutachtungsärzte in Berlin anhand der Fragebögen über Leben und Tod der Patienten entscheiden. Die als „nicht mehr lebenswürdig“ eingestuften Personen werden mit Bussen abgeholt und nach einem Zwischenaufenthalt in eines der sechs Tötungszentren in Grafeneck auf der Schwäbischen Alb, Brandenburg an der Havel, Bernburg, Hadamar, Hartheim in Österreich und auf dem Sonnenstein bei Pirna transportiert. Dort werden die Menschen durch Injektionen oder in neuentwickelten Gaswagen getötet, zunehmend auch in einen Raum getrieben, der einer Dusche ähnelt, um sie dann durch die Einleitung von Gas umzubringen7.

Die sechs mit Gaskammern und Krematorien ausgestatteten Mordzentren waren:

Ort Zeitraum des Mordens Zahl der Ermordeten
Grafeneck bei Reutlingen Jan.–Dez.
1940
  9 839
Brandenburg an der Havel Feb.–Sept.
1940
  9 772
Bernburg an der Saale Okt. 1940 – Aug.
1941
  8 601
Hartheim bei Linz Mai 1940 – Aug.
1941
18 269
Sonnenstein bei Pirna Juni 1940 – Aug.
1941
13 720
Hadamar, Nordhessen Jan. – Aug.
1941
10 072
Insgesamt 70 273 Menschen

 

Die Mordaktion wird von einer „Zentraldienststelle T4“ aus geleitet. Die Bezeichnung ergibt sich aus der Adresse des Dienstsitzes in der Tiergartenstraße 4 in Berlin. Das Gebäude ist kurz zuvor arisiert worden8.

In dieser hocheffizient arbeitenden kleinen Behörde, die nach außen als „Reichsarbeitsgemeinschaft Heil- und Pflegeanstalten“ (RAG Berlin, W9; Postschließfach 262) firmiert, verbergen sich
(a) die Chefs der T4 Aktion, Werner Heyde und Paul Nitsche,
(b) die Gemeinnützige Stiftung für Anstaltspflege, die für die Arbeitsverträge von 300-400 Mitarbeitern, für Kauf- und Pachtverträge zuständig ist,
(c) die Gemeinnützige Kranken-Transport GmbH, genannt Gekrat, welche die Verlegungen der Patienten in die Mordzentren vornimmt und für die Vergasungen zuständig ist, sowie
(d) ab 1941 die Zentralverrechnungsstelle Heil- und Pflegeanstalten (ZVSt). Diese Behörde wickelt sämtliche Kosten- und Finanzprobleme, die der Tod eines in Anstaltspflege befindlichen Menschen aufwirft, ab.9

Am gleichen Tag, dem 9. Oktober 1939, tagt in der Kanzlei des Führers das Leitungsgremium der geplanten Aktion, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Krankenmorde organisatorisch vorzubereiten. Beteiligt sind unter Leitung der Kanzlei des Führers praktische Ärzte, Professoren für Psychiatrie und Nervenheilkunde, Mitglieder des Sicherheitsdienstes und der Medizinabteilung des Innenministeriums10. In der Sitzung geht es um das „wer und wie“ der Krankenmorde sowie um einen statistischen Schlüssel.

Die Beamten des Kriminaltechnischen Instituts raten dazu, die Kranken mit CO-Gas, also mit Kohlenmonoxid zu töten, zu „desinfizieren“, wie es in der Tarnsprache heißt. Andere Experten legen die Anzahl der zu ermordenden Personen mit Hilfe eines statistischen Schlüssels fest. „Die Zahl ergibt sich aus einer Berechnung, der das Verhältnis 1000:10:5:1 zugrunde liegt. Das bedeutet: von 1000 Menschen bedürfen 10 psychiatrischer Betreuung, von diesen 5 in stationärer Form. Davon aber fällt ein Kranker unter die Aktion.“11

Die Schlussfolgerung hieraus lautet: „von 1000 Menschen wird einer von der Aktion erfasst. Auf die Bevölkerungszahl des Großdeutschen Reiches übertragen, hat man demnach mit 65-70.000 Fällen zu rechnen. Mit dieser Feststellung dürfte die Frage des ´Wer‘ beantwortet sein.“ 12

Die Aktion T4 muss auch sämtlichen Amtsträgern kommuniziert werden. Der Deutsche Gemeindetag setzt für den 3. April 1940 eine Sitzung an und lädt alle Oberbürgermeister und kommunale Spitzenbeamte hierzu ein. Der Besprechungsgegenstand wird erst während der Sitzung bekannt gegeben. Bei der Sitzung sind 200 Vertreter der Kommunen vertreten. Der Plauener OB Eugen Wörner tippt hierzu ein Protokoll, das hier in Auszügen wiedergegeben werden soll:

Viktor Brack (Kanzlei des Führers) führt aus: „In den vielen Pflegeanstalten des Reiches sind unendlich viele unheilbar Kranke jeder Art untergebracht, die der Menschheit überhaupt nichts nützen, vielmehr zur Last fallen, unendliche Kosten der Verpflegung verursachen … sie vegetieren hin, wie die Tiere, sind asoziale lebensunwerte Menschen, dabei sonst in den inneren Organen absolut gesund und können noch viele Jahrzehnte leben … am besten sei, wenn man die in Betracht kommenden … ja nicht künstlich am Leben erhalten, sondern vielmehr den Tod derselben beschleunigen. Die so gestorbenen müssten aus seuchentechnischen Gründen eingeäschert werden …

Gegenüber den Angehörigen der betr. Kranken werde es am besten so gehandhabt, dass die Anstalt den Angehörigen von dem Ableben Kenntnis gibt mit dem Bemerken, dass die Einäscherung … aus seuchentechnischen Gründen bereits erfolgt sei … Die Verbrennung der Toten werde bezahlt werden; allgemein möglichst vermeiden, dass unnötige Rechnungen herumschwirren.“13

Ein Jahr später unterrichtet Viktor Brack gemeinsam mit Werner Heyde, dem ärztlichen Leiter der Aktion T4, die nach Berlin geladenen Oberlandesgerichtspräsidenten und Generalstaatsanwälte über den Stand des Mordens. Ohne Umschweife kommen die beiden auf das tatsächliche Verfahren zu sprechen. Die Notizen des Kölner OLG-Präsidenten Alexander Bergmann haben folgendes festgehalten:

„Muss getarnt werden unter unverfänglichem Namen – beste Psychiater –besondere Heil- und Pflegeanstalten mit besonderen Einrichtungen für humane Durchführung, Männer finden, die den Mut zur Ausführung und die Nerven zum Aushalten haben. Meldebogen des Reichsinnenministers an die Heil- und Pflegeanstalt mit Krankenbericht. Zurück an RMdI, Fotokopiert von Reichsanstalt (=Aktion T4). Gehen an mehrere (drei) Gutachter, die unabhängig voneinander sind. Nach Rückkunft (der Meldebögen) Übertragung der drei Gutachten auf neue Photokopie, diese an Obergutachter. Ist auch dieser für Liquidation, so wird Patient verlegt an andere Pflegeanstalt; hier Untersuchung des Patienten aufgrund persönlicher Kenntnisse. Nach Beobachtung Abholung in Liquidationsanstalt. Auch hier hat der durchführende Arzt noch ein Vetorecht. Umfangreicher Verwaltungsapparat. Auseinandersetzung mit Angehörigen. Vermögensauseinandersetzung. Benachrichtigung an Angehörige war zuerst unglücklich gewählt.“14

Im Anschluss an Brack redet Heyde und schließt mit den Bemerkungen: „Patient stirbt an fingierter Todesursache; Grund, Geheimhaltungsgebot des Führers. Sterbeurkunde, Datum und Todesursache stimmen nicht. Daneben wird aber ein wahres Standesregister geführt“.15

Gemäß den Vorgaben von Viktor Brack an die Heil- und Pflegeanstalten wird Viktoria Roth am 16. November 1940 vom Schutzengelheim Lautrach in die Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren verlegt16. Seit Kriegsbeginn werden Patienten aus Ursberg, Lautrach und Holzhausen nach Kaufbeuren und Irsee verbracht, mit der Intention ihrer Tötung.

Die Ärzte in Kaufbeuren bezeichnen Viktoria Roth als überaus freundlich, sie benehme sich bisweilen lausbubenhaft, eine Kommunikation mit ihr sei wegen ihrer Schwerhörigkeit nicht einfach17. Ihre Hausarbeiten erledige sie zur vollen Zufriedenheit ohne Anleitungen und mit großem Fleiß. Sie leite alle anderen zur Arbeit an und helfe sogar in der Insulinstation, wo nur bessere Kräfte eingesetzt würden18. Viktoria mache nie Schwierigkeiten, sie sei „eine der besten Kranken der Station“, ihre Stimmung sei meist euphorisch und heiter19.

Noch am 7. August 1941 notiert der Arzt, Viktoria sei von großer Freundlichkeit und stets sehr herzlich, in der Gärtnerei leiste sie hervorragende Arbeit. Zudem helfe sie überall im Hause, wo man eine Kraft benötige. Am 8. August ist dort lapidar zu lesen: „Wird verlegt.“20

Viktoria Roth wird am 8. August 1941 mit 132 weiteren Frauen aus Kaufbeuren mit den grauen Bussen der Gekrat21 nach Hartheim/Linz verbracht und dort noch am gleichen Tag ermordet22.

Mit ihr gemeinsam werden die 21 Augsburger Frauen Therese Baumeister, Johanna Baur, Maria Egger, Maria Eichberger, Walburga Federhofer, Maria Garke, Maria Göhly, Anna Göldl, Barbara Hölzle, Aloisia Kempter, Viktoria Knorz, Magdalena Kurz, Karolina Balbina Müller, Maria Müller, Agnes Pfiffner, Ragner Anna, Liselotte Sack, Wilhelmine Schindler, Rosa Schlosser, Walburga Schlosser, Maria Schmucker und Maria Wiesenbarth dort ermordet23.

Es ist der letzte Transport nach Hartheim. Danach wird wegen der Proteste der katholischen und protestantischen Bischöfe die Verlegung von Patienten in die Tötungsanstalten am 24. August 1941 eingestellt24.

Die Ermordung der Menschen aber geht weiter. Dr. Faltlhauser stellt im bayerischen Innenministerium am 17.November 1942 den anderen Anstaltsleitern eine neue Tötungsmethode vor, die schließlich von allen Anstaltsleitern übernommen wird. Um Kosten einzusparen, soll den nicht arbeitsfähigen Patienten weniger zu essen gegeben werden als den arbeitsfähigen. Die sogenannte Entzugskost (E-Kost), die wenige Tage später gemäß ministeriellem Erlass für alle bayerischen Anstalten verbindlich gemacht wird25, ist eine Ernährung ohne Kohlehydrate und Fett, bestehend aus wenig Brot und Gemüse26. Zusätzlich erhalten die „lebensunwerten“ Patienten Luminal in die Nahrung, in manchen Fällen wird ihnen Morphium-Skopolamin gespritzt.

Vom August 1941, also dem sog. „Euthanasiestopp“ bis zum 2. Juli 1945 sind durch die Hand Faltlhausers und einiger Mitarbeiter, vor allem Olga Rittler, Lothar Gärtner (Selbstmord am 1.7.1945) und Pauline Kneissler ungefähr 600 Menschen „durch die Gabe von Opiaten, vor allem Luminal, das bei erhöhter Dosierung das Atemzentrum lähmt und eine Lungenentzündung verursacht, oder durch Nahrungsentzug umgebracht worden“ 27.

Biografie erstellt von Dr. Bernhard Lehmann, StD,
86368 Gersthofen Haydnstr. 53

 

 

  1. Bundesarchiv Berlin, R 179/762, Patientenakte Roth Viktoria. Taufzeugnis Pfarrmatrikel Lützelburg am 16.6.1932, Kath. Pfarramt Alfons Wiedemann; Geburtsschein vom 16.6.1932.
  2. Bundesarchiv Berlin, R 179/762, Patientenakte Roth Viktoria, Krankengeschichte
  3. Ebenda.
  4. Ebenda.
  5. Zitiert nach: Götz Aly, Die Belasteten. „Euthanasie“ 1939-1945. Eine Gesellschaftsgeschichte; Frankfurt 2012, S. 43
  6. Zitiert nach: Götz Aly, a.a.O., S. 43f. Der Fragebogen vom 9.10.1939 ist abgedruckt bei: Ernst Klee, „Euthanasie“ im Dritten Reich. Die „Vernichtung lebensunwerten Lebens“; Frankfurt/Main, 3. Auflage 2018, S. 90ff.
  7. Hierzu ausführlich: http://www.tenhumbergreinhard.de/05aaff9c6f0a4030c/05aaff9dd00753c01/05aaff9f330775103.html
  8. Götz Aly, a.a.O., S. 46
  9. Götz Aly, a.a.O., S. 47
  10. Götz Aly, Die Belasteten. „Euthanasie“ 1939-1945. Eine Gesellschaftsgeschichte; Frankfurt 2012, S. 43
  11. Zit. nach Kaul, Friedrich Karl: Nazimordaktion T4. Ein Bericht über die erste industriemäßig durchgeführte Mordaktion des Naziregimes, Berlin 1973, S. 63
  12. Zit. nach Kaul, Friedrich Karl: Nazimordaktion T4. Ein Bericht über die erste industriemäßig durchgeführte Mordaktion des Naziregimes, Berlin 1973, S. 64
  13. Handschriftliche Aufzeichnung über die Sitzung beim Deutschen Gemeindetag am 3.4.1940, abgedruckt bei Götz Aly, a.a.O., S. 50-53
  14. Ebenda, S. 54
  15. Ebenda. Zum genauen Ablauf vgl. http://www.tenhumbergreinhard.de/05aaff9c6f0a4030c/05aaff9dd00753c01/05aaff9f330775103.html sowie Ernst Klee, „Euthanasie“ im Dritten Reich. Die „Vernichtung lebensunwerten Lebens“; Frankfurt/Main, 3. Auflage 2018, S. 90ff.
  16. Bundesarchiv Berlin, R 179/762, Patientenakte Roth Viktoria
  17. Bundesarchiv Berlin, R 179/762, Patientenakte Roth Viktoria, 1. Bogen der Krankheitsgeschichte 762/8 BKH Kaufbeuren ab 16.11.1940
  18. Ebenda.
  19. Ebenda.
  20. Ebenda.
  21. Vgl. Thomas Stöckle, Grafeneck 1940. Die Euthanasie-Verbrechen in Südwestdeutschland; Tübingen 3. Auflage 2012, S. 115-134.
  22. Ab August 1940 werden die ersten Patienten in die Vernichtungsanstalten Grafeneck und Hartheim „verlegt“ und dort im Rahmen der T4 Aktion ermordet[1]. In der ersten Phase der „Euthanasie“ bis zum „Euthanasie-Stopp“ im August werden insgesamt 687 Patienten von Kaufbeuren in die Tötungsanstalten Grafeneck und Hartheim transportiert und dort ermordet.
    Mit Hilfe der Klinikakten können die Opferzahlen vom 26. August 1940 bis zum 8. August 1941 wie folgt belegt werden:

    Transporte aus der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren nach Grafeneck und Hartheim:

    26. August 1940   75 Männer (Grafeneck)
    27. August 1940   75 Frauen (Grafeneck)
    5. September 1940   75 Männer (Grafeneck)
    8. November 1940   90 Frauen (Grafeneck)
    25. November 1940   61 Männer (Grafeneck)
    9. Dezember 1940   35 Frauen (Grafeneck)
    4. Juni 1941   70 Männer (Hartheim)
    5. Juni 1941   71 Frauen (Hartheim)
    8. August 1941 133 Frauen und 7 Männer
    (5 Rückstellungen (Hartheim)
    Gesamt: 687 Patienten

  23. Mittlerweile hat das Bundesarchiv die Namen der Opfer auf seiner Homepage veröffentlicht, deren Akten dort eingesehen werden können, darunter befinden sich sämtliche der Namen der obengenannten Augsburgerinnen, die im Rahmen der Aktion T4 am 8. August 1941 nach Hartheim deportiert und dort ermordet wurden. Vgl. auch Hist. Archiv BKH Kaufbeuren: Standbücher, Zu- und Abgangslisten der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren, Frauen, 1941.

    https://www.bundesarchiv.de/DE/Content/Downloads/Aus-unserer-Arbeit/liste-patientenakten-euthanasie.pdf?__blob=publicationFile

    Siehe auch: Hist. Arch BKH Kaufbeuren, Standbücher zu den Zu- und Abgängen Frauen 1941

  24. Götz Aly, Die Belasteten. Euthanasie 1939-1945. Eine Gesellschaftsgeschichte; Frankfurt 2014, S. 174ff
  25. Michael von Cranach/Petra Schweizer-Martinschek, Die NS-„Euthanasie“ in der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren-Irsee, in: Stefan Dieter (Hrsg.): Kaufbeuren unterm Hakenkreuz, Kaufbeurer Schriftenreihe Band 14, Thalhofen 2015, S. 274
  26. Michael von Cranach/Petra Schweizer-Martinschek, Die NS-„Euthanasie“ in der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren-Irsee, in: Stefan Dieter (Hrsg.): Kaufbeuren unterm Hakenkreuz, Kaufbeurer Schriftenreihe Band 14, Thalhofen 2015, S. 273f
  27. Ebenda, S. 274

Bundesarchiv Berlin, R 179/762, Patientenakte Roth Viktoria

Hist. Arch. BKH Kaufbeuren, Standbücher zu den Zu- und Abgängen Frauen 1941

Götz Aly, Die Belasteten. „Euthanasie“ 1939-1945. Eine Gesellschaftsgeschichte; Frankfurt 2012

Ernst Klee, „Euthanasie“ im Dritten Reich. Die „Vernichtung lebensunwerten Lebens“; Frankfurt/Main, 3. Auflage 2018

Michael von Cranach/Petra Schweizer-Martinschek, Die NS-„Euthanasie“ in der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren-Irsee, in: Stefan Dieter (Hrsg.): Kaufbeuren unterm Hakenkreuz, Kaufbeurer Schriftenreihe Band 14; Thalhofen 2015, S. 270-287

Friedrich Karl Kaul, Nazimordaktion T4. Ein Bericht über die erste industriemäßig durchgeführte Mordaktion des Naziregimes; Berlin 1973

Erich Resch/Petra Schweizer-Martinschek, Die Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren-Irsee während der NS-Zeit, in: Stefan Dieter (Hrsg.): Kaufbeuren unterm Hakenkreuz, Kaufbeurer Schriftenreihe Band 14; Thalhofen 2015, S. 114-133.

Thomas Stöckle, Grafeneck 1940. Die Euthanasie-Verbrechen in Südwestdeutschland; Tübingen 3. Auflage 2012