Moritz Rogger

Geboren: 25.10.1879, Nördlingen

Gestorben: Datum nicht bekannt, Auschwitz

Wohnorte

Nördlingen
Augsburg, Oberer Graben 37
Augsburg, Ludwigstraße 17
Augsburg, Bahnhofstraße 7
Augsburg, Werderstraße 1
Augsburg, Halderstraße 8
Augsburg, Bahnhofstraße 18 1/5

Orte der Verfolgung

Deportation
am 8. oder 9. März 1943
von Augsburg
über München-Berg am Laim
nach Auschwitz

Weitere Informationen

Moritz Rogger wurde am 25. Oktober 1879 als Moses Rogger in Nördlingen geboren.1 Seine Eltern waren Josef und Lia Rogger, geb. Hummel. Sein Vater war am 9. März 1849 in Mönchsdeggingen, seine Mutter am 20. August 1853 in Buttenwiesen geboren. Die Eltern der Mutter waren der Bäcker Moses Juda und Babette Hummel, geb. Fuchs.2

Josef und Lia Rogger heirateten am 23. Mai 1875 in Nördlingen.3 Dort arbeitete er als Rauchwarenhändler4 wie zuvor in Mönchsdeggingen.5 Sie bekamen drei Kinder, Sofie, Hilda und Moses. Die beiden Töchter starben schon früh: Sofie lebte vom 10. April 1877 bis 23. September 1892, Hilda nur vom 26. April bis 16. September 1878.6

Über die Kindheit und Jugend des Sohnes gibt es keine näheren Informationen. Seinen Geburtsnamen Moses änderte er im Alter von 25 Jahren am 28. Juni 1905 für eine Gebühr von zehn Reichsmark.7 Im Zuge der Assimilierung wurden Vornamen oft an die nichtjüdische Umgebung angepasst, wobei stets der Anfangsbuchstabe unverändert blieb. Somit wurde aus Moses der Name Moritz.8

Am 4. September 1893 kam die Familie nach Augsburg, die Anmeldung erfolgte am 7. September 1893. Sie wohnten im Oberen Graben 379 in der Jakobervorstadt im ersten Stock, der Vermieter hieß Sigmund Schloßberger.10 Am 10. Januar 1901 zogen die Roggers in eine Wohnung im zweiten Stock in der Ludwigstraße 17.11

Seit dem 1. September 1895 arbeitete Moritz Rogger als Commis12 in der Lederhandlung Leopold Weil und Compagnie am Augsburger Hafnerberg.13 1912 stieg er dort zum Prokuristen auf. In den Folgejahren wurde er in den Einwohnerbüchern als Kaufmann geführt.14

Moritz war auf den Tag genau 32 Jahre alt, als er am 25. Oktober 1911 Karoline/Lina Hummel im Standesamt München heiratete. Das Paar blieb kinderlos.15 Sie lebten im dritten Stock der Bahnhofstraße 7 in Augsburg.16 Karoline war ein eheliches Kind von Jette Hummel, geb. Hess und dem Rauchwarenhändler Heinrich Hummel.17 Sie wurde am 10. Januar 1881 in der Münchener Klenzestraße 6 geboren. Sie hatte fünf Schwestern: Isabella Bertha (09.06.1878 – 25.11.1941)18, Martha (22.10.1888 – 25.11.1941)19, Laura (27.06.1882 – ?)20, Sophie (05.04.1894 – 25.11.1941)21 und Frieda (? – 18.08.1957).22

Moritz‘ Vater starb am 30. September 1929 mit 80 Jahren, seine Mutter am 14. März 1932 mit 79 Jahren in Nördlingen.23

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden Karoline und Moritz Rogger Schritt für Schritt aus der Gesellschaft ausgegrenzt. Sie mussten am 1. April 1939 zuerst in die Halderstraße 8, dann am 27. Januar 1943, kurz vor ihrer Deportation, in die Bahnhofstraße 18 1/5 umziehen.24 Beide Häuser wurden als sog. „Judenhäuser“ genutzt.25 Außerdem musste Moritz Rogger von 30. Juli 1940 bis 13. November 1941 Zwangsarbeit bei der Firma Johann Schaffner Hoch- und Tiefbau in Augsburg leisten.26

Das Ehepaar Rogger wurde am 8./9. März von Augsburg nach München-Berg am Laim verschleppt und am 13. März 1943 von dort nach Auschwitz deportiert und ermordet.27 Sie waren 63 und 61 Jahre alt.

Zwei Tage nach ihrer Deportation wurde ihr Besitz von der Dienststelle für Vermögensverwaltung des Finanzamts Augsburg eingezogen.28

Dies ist ein Auszug aus der Biografie, die von Elena Bassi, Schülerin des Oberstufenjahrgangs 2016/2018 am Paul-Klee-Gymnasium Gersthofen, im Rahmen des W-Seminars „Biografien von jüdischen Opfern des Nationalsozialismus im Großraum Augsburg“ im Fach Geschichte erarbeitet wurde.

  1. www.alemannia-judaica.de/images/Noerdlingen/FS-ROGGER-JOSEF.pdf (aufgerufen am 18.10.2017).
  2. StadtANö, Meldekarte Lia Rogger, geb. Hummel.
  3. Ebd.; www.alemannia-judaica.de/images/Noerdlingen/FS-ROGGER-JOSEF.pdf (aufgerufen am 18.10.2017).
  4. Rauchwaren sind zugerichtete gegerbte, noch nicht zu Pelz verarbeitete Tierfelle.
  5. StadtANö, Meldekarte Lia Rogger, geb. Hummel.
  6. www.alemannia-judaica.de/images/Noerdlingen/FS-ROGGER-JOSEF.pdf.
  7. StadtAA, FB Moritz Rogger.
  8. Ebd.
  9. damals G315.
  10. StadtAA, FB Josef Rogger; Adreßbuch der Stadt Augsburg 1895.
  11. damals D188; StadtAA, FB Josef Rogger.
  12. Veraltete Bezeichnung für einen Handlungsgehilfen: de.wikipedia.org/wiki/Kommis
  13. Adreßbuch von Augsburg 1895.
  14. Einwohnerbücher der Stadt Augsburg 1920 („Prokurist“), 1927, 1937. Laut Einwohnerbuch ist er 1932 in der Werderstraße 1 gemeldet.
  15. StadtAA, FB Moritz Rogger.
  16. StadtAA, FB Moritz Rogger; Adreßbuch der Stadt Augsburg 1913.
  17. StAA, AG Augsburg, Geburtsurkunde, NR. VI 777/57, S. 27.
  18. http://www.muenchen.de/rathaus/gedenkbuch/gedenkbuch.html, Eintrag Isabella Bertha Hummel (aufgerufen am 03.12.2018).
  19. http://www.muenchen.de/rathaus/gedenkbuch/gedenkbuch.html, Eintrag Martha Hummel (aufgerufen am 03.12.2018).
  20. StAA, AG Augsburg, NR. VI 777/57, S. 29.
  21. www.muenchen.de/rathaus/gedenkbuch/gedenkbuch.html, Eintrag Sofie Schröter, geb. Hummel (aufgerufen am 03.12.2018).
  22. StAA, AG Augsburg, AZ. UR. II 80/56.
  23. www.alemannia-judaica.de/images/Noerdlingen/FS-ROGGER-JOSEF.pdf.
  24. StadtAA, FB Moritz Rogger.
  25. Gesetz über Mietverhältnisse mit Juden vom 30.04.1939, RGBl I, S. 864f. und Runderlass des Reichsarbeitsministerium und des Reichministeriums des Innern zur Durchführung des Gesetzes über Mietverhältnisse mit Juden vom 04.05.1939, in: Joseph Walk (Hg.), Das Sonderrecht für die Juden im NS-Staat. Eine Sammlung der gesetzlichen Maßnahmen und Richtlinien – Inhalt und Bedeutung, 2. Aufl., Heidelberg 1996, S. 239.
  26. Archiv der Israelitischen Kultusgemeinde Schwaben-Augsburg, Aufstellung der bei uns beschäftigten israelitischen Arbeitskräfte, Johann Schaffner Hoch- und Tiefbau.
  27. www.statistik-des-holocaust.de/OT430313-11a.jpg; Maximilian Strnad, Zwischenstation „Judensiedlung“. Verfolgung und Deportation der jüdischen Münchner 1941 – 1945 (Studien zur jüdischen Geschichte und Kultur in Bayern, Bd. 4), München 2011, S. 140.
  28. Archiv der Israelitischen Kultusgemeinde Schwaben-Augsburg, Finanzamt Augsburg-Stadt, Dienststelle für Vermögensverwaltung, Lieferschein vom 15.03.1943.

Archiv der Israelitischen Kultusgemeinde Schwaben-Augsburg
– Aufstellung der bei uns beschäftigten israelitischen Arbeitskräfte, Johann Schaffner Hoch- und Tiefbau
– Finanzamt Augsburg-Stadt, Dienststelle für Vermögensverwaltung, Lieferschein vom 15.03.1943

Stadtarchiv Augsburg (StadtAA)
Familienbogen (FB):
– FB Josef Rogger
– FB Moritz Rogger

Stadtarchiv Nördlingen (StadtANö)
Meldekarten (MK):
– MK Lia Rogger, geb. Hummel

Staatsarchiv Augsburg (StAA)
Amtsgericht Augsburg (AG Augsburg)
– AG Augsburg, AZ. UR. II 80/56
– AG Augsburg, Geburtsurkunde, NR. VI 777/57, S. 27
– AG Augsburg, NR. VI 777/57, S. 29
– AG Augsburg, AZ. UR. II 80/56

Adreßbuch der Stadt Augsburg 1895, 1913.

Einwohnerbücher der Stadt Augsburg 1920, 1927, 1932 und 1937.

Joseph Walk (Hg.), Das Sonderrecht für die Juden im NS-Staat. Eine Sammlung der gesetzlichen Maßnahmen und Richtlinien – Inhalt und Bedeutung, 2. Aufl., Heidelberg 1996, S. 239.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Noerdlingen/FS-ROGGER-JOSEF.pdf
(aufgerufen am 18.10.2017)

http://www.muenchen.de/rathaus/gedenkbuch/gedenkbuch.html:
– Eintrag Isabella Bertha Hummel (aufgerufen am 03.12.2018)
– Eintrag Martha Hummel (aufgerufen am 03.12.2018)
– Eintrag Sofie Schröter, geb. Hummel (aufgerufen am 03.12.2018)

http://www.statistik-des-holocaust.de/OT430313-11a.jpg (aufgerufen am 03.12.2018)

Maximilian Strnad, Zwischenstation „Judensiedlung“. Verfolgung und Deportation der jüdischen Münchner 1941 – 1945 (Studien zur jüdischen Geschichte und Kultur in Bayern, Bd. 4), München 2011.