Maria Bernheim, geb. Nathan. (Privat)

Maria Bernheim, geb. Nathan

Geboren: 27.07.1873, Ulm

Gestorben: 14.01.1944, Theresienstadt

Wohnorte

Ulm
Augsburg, Schaezlerstraße 17/II
Augsburg, Frölichstraße 10 ½ /II
München, Goethestraße 54/0 Pension (seit 15.06.1935)
München, Giselastraße 18/0 (seit 07.04.1937)
München, Fraunhoferstraße 27/I bei Hausner (seit 30.06.1939)

Orte der Verfolgung

Verschleppung
am 2. Dezember 1941
in das Sammellager Knorrstraße 148
in München-Milbertshofen

Deportation
am 4. Juni 1942
von München-Milbertshofen
nach Theresienstadt

Gedenkzeichen

Am 18. Mai 2018 wurde ein Erinnerungsband für
Maria Bernheim, geb. Nathan
in der Frölichstraße 10 1/2 angebracht.

 

 

Weitere Informationen

Maria Bernheim ist 1873 als Maria Nathan in Ulm geboren. 1896 heiratete sie Siegfried Bernheim, der als gebürtiger Ulmer damals bereits in Augsburg wohnte. Das Ehepaar lebte dann 40 Jahre in Augsburg, wo nacheinander die Söhne Kurt, Willy und Heinz geboren wurden.1 Alle drei Söhne haben Deutschland verlassen. Kurt floh 1938 nach Zürich, Willy 1938 über Zürich nach Paris.2

Maria Bernheim, geb. Nathan, um 1900. (Privat)

 

Die Eltern von Maria Bernheims Ehemann hatten 1888 die Firma R. Bernheim in Augsburg-Pfersee gegründet.3 In der Fabrik wurden chemische Produkte für die Textilindustrie hergestellt. Doch das wirtschaftliche Glück dauerte nur bis 1933. Die Firma ihres Ehemannes fiel als erste Augsburger Firma dem Wirtschaftsterror der Nationalsozialisten gegen jüdische Firmen zum Opfer. Das Familienunternehmen musste durch einen Übereignungsvertrag an Nationalsozialisten abgetreten werden. Um die Familie Bernheim wirtschaftlich und gesundheitlich zu ruinieren, wurde ein Strafverfahren eingeleitet, das von Augsburger Zeitungen mit rufmordartigen Artikeln begleitet wurde.4

Um sich dieser Hetze zu entziehen, entschied sich Maria Bernheim, mit ihrem Ehemann 1935 in München unterzutauchen. In Augsburg hatte das Ehepaar Bernheim in der großen und komfortablen Wohnung in der Frölichstraße 10½ im 2. Stock gewohnt. In München musste Maria Bernheim mit ihrem Ehemann von Anfang an unter sehr unzureichenden Wohnverhältnissen leben. Ihr Ehemann verstarb 1937 in München.5

Maria Bernheim, geb. Nathan, um 1939. Foto der Kennkarte, die Jüdinnen und Juden tragen mussten. (Biographisches Gedenkbuch der Münchner Juden 1933-1945)

 

Maria Bernheim wurde in ein Einzelzimmer abgedrängt und schließlich im Dezember 1941 in das Barackenlager in Milbertshofen eingewiesen. Einige Tage vorher hatte Maria Bernheim noch einen Fluchtversuch ins Ausland geplant. Im Barackenlager München-Milbertshofen musste sie einige Monate unter unmenschlichen Bedingungen verbringen6, bis sie im Juni 1942 in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert wurde.7 Über eineinhalb Jahre war sie dort Hunger und Seuchen ausgesetzt, bis sie am 14. Januar 1944 aufgrund der Lagerverhältnisse der Tod ereilte.8

Eine Cousine von Maria Bernheim, die ebenfalls im KZ Theresienstadt war, durfte den Tod von Maria Bernheim ihrem Sohn Kurt in Zürich sechs Wochen später mitteilen. Der Brief ist erhalten. Ein Nationalsozialist der Zensur-Poststelle von Theresienstadt brachte seine Freude über den Tod von Maria Bernheim dadurch zum Ausdruck, dass er den Brief mit einem 1 cm dicken Stift vorderseitig und rückseitig durchkreuzte.9

Zwei Tage nach dem Tod von Maria Bernheim wurde ihre Leiche im dortigen Krematorium verbrannt. Es war die 21228. Leiche, die in Theresienstadt seit 1942 verbrannt worden war.10 Im November 1944 wurde ihre Urne zusammen mit 22 000 weiteren Urnen auf einem LKW an die Eger gebracht. Dort wurde ihre Asche in den Fluss geschüttet.11

Albert Eichmeier

  1. StadtAA, FB Siegfried Bernheim
  2. Erhard Bernheim/Gernot Römer (Hg.), „Halbjude“ im Dritten Reich. Die Erinnerungen des Augsburger Fabrikanten Erhard Bernheim (Lebenserinnerungen von Juden aus Schwaben Band 3), Augsburg 2000, S. 25; Ursula Bernheim, Erinnerungen zu Augsburg, München und Zürich, 2018.
  3. Ebd., S. 8
  4. Ebd., S. 17-21
  5. Ebd., S. 32f.
  6. http://www.muenchen.de/rathaus/gedenkbuch/gedenkbuch.html (aufgerufen am 13.02.2017).
  7. StAM, Einziehungsakte der Oberfinanzdirektion München 8033
  8. http://www.muenchen.de/rathaus/gedenkbuch/gedenkbuch.html (aufgerufen am 13.02.2017).
  9. StAA, W.B. V a 104
  10. http://www.muenchen.de/rathaus/gedenkbuch/gedenkbuch.html (aufgerufen am 13.02.2017).
  11. https://de.wikipedia.org/wiki/KZ_Theresienstadt (aufgerufen am 10.09.2018); http://www.ghetto-theresienstadt.info/pages/c/Columbarium.htm (aufgerufen am 10.09.2018)

Wolfgang Bernheim

Geboren

07.05.1923

Gestorben

Oktober/November 1942

Letzter freiwilliger Wohnort

Augsburg, Stephansplatz 6

Staatsarchiv Augsburg (StAA)
Bestand Wiedergutmachungsbehörde für Schwaben (W.B. V):
– W.B. V a 104

Staatsarchiv München (StAM)
– Einziehungsakte der Oberfinanzdirektion München 8033

Stadtarchiv Augsburg (StadtAA)
Familienbogen (FB):
– FB Siegfried Bernheim

Ursula Bernheim, Erinnerungen zu Augsburg, München und Zürich, 2018.

Einwohnerbuch der Stadt Augsburg 1912, Augsburg 1912.

Einwohnerbuch der Stadt Augsburg 1920, Augsburg 1920.

Einwohnerbuch der Stadt Augsburg 1932, Augsburg 1932.

Einwohnerbuch der Stadt Augsburg 1934, Augsburg 1934.

 

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de841778 (aufgerufen am 13.02.2017)

http://www.ghetto-theresienstadt.info/pages/c/Columbarium.htm (aufgerufen am 10.09.2018)

http://www.muenchen.de/rathaus/gedenkbuch/gedenkbuch.html (aufgerufen am 13.02.2017)

https://de.wikipedia.org/wiki/KZ_Theresienstadt (aufgerufen am 10.09.2018)

Erhard Bernheim/Gernot Römer (Hg.), „Halbjude“ im Dritten Reich. Die Erinnerungen des Augsburger Fabrikanten Erhard Bernheim (Lebenserinnerungen von Juden aus Schwaben Band 3), Augsburg 2000.