Leopold Götz

Geboren: 08.03.1868, Chicago (Illinois/USA)

Gestorben: Datum nicht bekannt, Auschwitz

Wohnorte in Augsburg

Augsburg, Lessingstraße 10
Augsburg, Neidhartstraße 31
Augsburg, Hallstraße 14

Orte der Verfolgung

Deportation
am 8. oder 9. März 1943
von Augsburg
über München-Berg am Laim
nach Auschwitz

Weitere Informationen

Leopold Götz (Chicago 1868 – Auschwitz 1943)

Leopold Götz ist der Sohn von Leopold Götz sr. (1843–1867)1 und Helena Götz, geb. Deller (1846-1921).Es sind heute deutlich mehr Informationen über seine Mutter als über seinen Vater Leopold Götz vorhanden. Die 1846 in Kriegshaber geborene Helena Deller war die erste Tochter von Jette Dick2 und dem Rauchwarenhändler Abraham Deller.3 Helenas Schwester Bertha, die am 17. Februar 1850 auf die Welt kam, war die zweitälteste Tochter. Genau ein Jahr später am 17. Februar 1851 wurde Max, der einzige Sohn, geboren. Die jüngste Tochter Sophie kam am 28. August 1852 zur Welt.4 Zu dieser Zeit machten Jüdinnen und Juden ca. 30% der Bevölkerung in Kriegshaber aus.5

Weil sich das Leben im Königreich Bayern im 19. Jahrhunderts oftmals sehr schwierig gestaltete, wanderten neben Nichtjüdinnen und Nichtjuden auch viele Jüdinnen und Juden in die Vereinigten Staaten aus, um sich eine bessere Zukunft aufzubauen. So auch Helena Deller und Leopold Götz sr., die Eltern von Leopold Götz.6 Amerika galt als Land der Freiheit und der unbegrenzten Möglichkeiten.7

Am 11. Juni 1867 ließen sich die beide in Chicago trauen und am 8. März 1868 kam dort ihr Sohn Leopold auf die Welt. Sein Vater starb bereits vor seiner Geburt am 13. Oktober 1867.8 Man kann annehmen, dass Helena Götz ihrem Sohn aus Liebe zu ihrem verstorbenen Mann den gleichen Vornamen gegeben hat. Mutter und Sohn waren in Chicago sehr wahrscheinlich auf sich alleine gestellt und kehrten nach Deutschland zurück.

Am 26. Februar 1921 starb Leopolds Mutter im Alter von 75 Jahren.9 Knapp einen Monat später heiratete er am 22. März Anna Mahler in München. Die Ehe war für die am 10. Februar 1881 in Bamberg Geborene nicht die erste. Sie war bereits mit dem 1914 verstorbenen Ernst Blumenthal verheiratet gewesen. Aus dieser Ehe stammte ihr Sohn Hans Blumenthal, der am 14. September 1906 in Bamberg auf die Welt gekommen war. Mit ihrem Sohn wohnte sie zunächst in Bamberg und zog dann mit ihm nach München.10 Hier lebten auch ihre Mutter Paula Mahler, geb. Kronacher sowie ihr Vater Fritz Mahler.11

Kurz nach der Hochzeit zogen Leopold und Anna Götz mit Hans Blumenthal am 30. April 1921 nach Augsburg12, wo Leopold Götz als Ingenieur bei der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg angestellt war; im Einwohnerbuch 1926 ist er als „Betriebs-Ingenieur“ eingetragen.13

Der damals 15-jährige Hans Blumenthal besuchte das St. Anna Gymnasium Augsburg.14 Die Familie lebte in der Lessingstraße 1015, ab dem 1. Juli 1928 in der Neidhartstraße 31; am 15. Mai 1942 musste die Familie erzwungenermaßen in die Hallstraße 14 ziehen.16 Das Haus wurde als sog. Judenhaus genutzt. Nach dem Novemberpogrom 1938 wurden Jüdinnen und Juden im NS-Staat oftmals gezwungen, in solchen Häusern zu wohnen, wo sie kaum noch Privatsphäre hatten.

Die Hallstraße 14 war der letzte Wohnort von Anna und Leopold Götz. Beide wurden am 8./9. März 1943 nach München-Berg am Laim gebracht und von dort am 13. März nach Auschwitz deportiert und ermordet. Kurz vor dem Abtransport wurde der Ingenieur gezwungen einen Vertrag mit Dr. Erwin Blümner abzuschließen. In diesem stand, dass Leopold Götz ihm ein Darlehen von 20.000 Reichsmark zur Entwicklung einer Groß-Versuchsanlage geben musste.17

Der Stiefsohn Hans Blumenthal konnte auswandern und lebte in Tel-Aviv.18

Dies ist ein Auszug aus der Biografie, die von Oktay Yavuz, Schüler des Oberstufenjahrgangs 2016/2018 am Paul-Klee-Gymnasium Gersthofen, im Rahmen des W-Seminars „Biografien von jüdischen Opfern des Nationalsozialismus im Großraum Augsburg“ im Fach Geschichte erarbeitet wurde.

  1. https://www.geni.com/people/Leopold-Goetz/6000000002824417102 (aufgerufen 2.10.2019).
  2. StadtAA, MB Abraham Deller: Geboren 1812 in Kriegshaber, gestorben am 20.12.1879 in Augsburg.
  3. StadtAA, MB Abraham Deller: Geboren in Fischach, gestorben am 20.09.1859 in Kriegshaber.
  4. StadtAA, MB Abraham Deller.
  5. http://www.jüdische-gemeinden.de/index.php/gemeinden/k-l/1119-kriegshaber-schwaben-bayern (aufgerufen am 30.10.2017).
  6. Gespräch mit dem Mitarbeiter des Stadtarchivs Augsburg Mario Felkl.
  7. https://www.americandream.de/geschichte-der-einwanderung-in-die-usa/ (aufgerufen am 31.10.2017).
  8. StadtAA, MB Helena Deller.
  9. StadtAA, MB Helena Deller.
  10. StadtAA, MB Hans Blumenthal.
  11. E-Mail von Mitarbeiter des Stadtarchivs Augsburg Mario Felkl (27.10.2017).
  12. StadtAA, MB Hans Blumenthal.
  13. Gernot Römer (Hg.), „An meine Gemeinde in der Zerstreuung“. Die Rundbriefe des Augsburger Rabbiners Ernst Jacob 1941–1949, Augsburg 2007, S. 234; StAA, W.B. V a 399; Einwohnerbuch der Stadt Augsburg 1926, Augsburg 1926.
  14. StadtAA, MB Hans Blumenthal.
  15. Einwohnerbuch der Stadt Augsburg 1926, Augsburg 1926.
  16. StadtAA, MK II Fehlkarte Leopold Götz.
  17. StAA, W.B. V a 399.
  18. StAA, W.B. V a 399.

Staatsarchiv Augsburg (StAA)
Bestand Wiedergutmachungsbehörde für Schwaben (W.B. V):
– W.B. V a 399

Stadtarchiv Augsburg (StadtAA)
Meldebogen (MB):
– Hans Blumenthal
– Abraham Deller

Meldekarten II (MK II)
– Fehlkarte Leopold Götz

Einwohnerbuch der Stadt Augsburg 1926, Augsburg 1926.

https://www.americandream.de/geschichte-der-einwanderung-in-die-usa/ (aufgerufen am 31.10.2017)

http://www.jüdische-gemeinden.de/index.php/gemeinden/k-l/1119-kriegshaber-schwaben-bayern (aufgerufen am 30.10.2017)

https://www.geni.com/people/Leopold-Goetz/6000000002824417102 (aufgerufen 2.10.2019)

 

Gernot Römer (Hg.), „An meine Gemeinde in der Zerstreuung“. Die Rundbriefe des Augsburger Rabbiners Ernst Jacob 1941–1949, Augsburg 2007.