Jenische

Die Minderheit der Jenischen wird oft mit Sinti und Roma gleichgesetzt, aber es besteht keine ethnische und kulturelle Gemeinsamkeit. Wohl aber existiert eine soziale Gemeinsamkeit: die Jenischen sind wie die Sinti und Roma an den Rand der Gesellschaft gedrängt.

Als „Jenische“ werden seit dem 18. Jahrhundert Angehörige armer Bevölkerungsschichten bezeichnet, die ihren Lebensunterhalt im ambulanten Gewerbe suchen – als Unterhaltungskünstler, Kunsthandwerker oder Händler. Diese Armutsmigranten in Mitteleuropa entwickelten eine eigene, für die Mehrheit nur schwer verständliche Sprache, „das Jenische“ oder Rotwelsch, das semantisch und grammatikalisch vom Deutschen abweicht und Elemente aus verschiedenen Sprachen vereint. In Kunsthandwerk, Musik und Schaustellerei taten sich viele Jenische hervor, doch fahrende Lebensweise und soziale Marginalisierung brachten Rechtlosigkeit sowie fehlende Bildungs- und Berufschancen mit sich.

Schon vor, vor allem aber in der Zeit des Nationalsozialismus wurden die Jenischen wie die Sinti und Roma verfolgt. Als „nach Zigeunerart herumziehende Landfahrer“ und angebliche „Asoziale“ wurden sie in „Vorbeugehaft“ oder „Sicherungsverwahrung“ genommen, in Arbeits- und Konzentrationslagern inhaftiert. Soweit bisher bekannt wurden die Jenischen als Gruppe nicht wie die Sinti und Roma in Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert. Wohl aber wurden Jenische Opfer von Zwangssterilisation und Euthanasie. Und wie die Sinti und Roma grenzte die Mehrheit die Jenischen auch nach 1945 weiter aus.

Angela Bachmair