Rupert Winter

Geboren: 26.03.1897, Gnotzheim (LK Weißenburg-Gunzenhausen)

Gestorben: 01.07.1943, Auschwitz

Wohnorte

Stuttgart
Cannstatt
Augsburg, Weißstraße 1
Augsburg, Lippschützstraße 40
Augsburg, Grimmstraße 2
Augsburg, Donauwörther Straße 106
Augsburg, Donauwörther Straße 83

Orte der Verfolgung

Deportation
in das KZ Dachau
Ankunft am 11. März 1943

Weitertransport
nach Auschwitz
Ankunft am 14. März 1943

Erinnerungszeichen


Am 10. November 2017 wurde
ein Erinnerungsband für die
Familie Winter in der
Donauwörther Straße 83
angebracht.

Weitere Informationen

Rupert Winter wurde am 26. März 1897 im mittelfränkischen Gnotzheim, das heute zum Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen gehört, geboren. Er entstammt einer Familie deutscher Sinti; der Name Winter ist häufig anzutreffen in Sinti-Familien. Die Familie ist wie die meisten Sinti katholisch. Seine Mutter ist Kreszenz Winter, sein Vater August Winter. Rupert Winter hat sechs oder sieben ältere Geschwister, darunter seinen Bruder Johann und seine Schwester Maria.

Ob Rupert Winters Familie zum Zeitpunkt seiner Geburt in Gnotzheim ansässig war oder sich in Mittelfranken „auf der Reise“ befand (also in der Region ihr ambulantes Gewerbe ausübte), ist nicht bekannt. Vermutlich verdienten Rupert Winters Eltern ihren Lebensunterhalt mit Hausierhandel, vielleicht auch mit Schaustellerei. Er jedenfalls gab später als Beruf „Artist“ und „Händler“ an.

Rupert Winter heiratete am 18. September 1928  in Stuttgart Priska Kugler, geboren 25. September 1896 in Stuttgart  Wie lang die Ehe von Rupert und Priska Winter hielt, ist nicht bekannt. Dokumentiert ist jedoch, dass die Ehe in Stuttgart geschieden wurde.

Zwischen 1926 und 1939 war Rupert Winter offenbar viel zwischen Stuttgart, Augsburg und Cannstatt unterwegs. (Cannstatt war mit seinem „Wasen“ ein beliebtes Ziel für Sinti-Händler, weil dort große Pferdemärkte stattfanden.) „Auf Reisen“ steht mehrfach in Winters Augsburger Meldekarte. Bei seinen Aufenthalten in Augsburg hatte Winter verschiedene Wohnsitze – in der Weißstraße 1 bei Huber, in der Lippschützstraße 40, in der Grimmstraße 2, in der Donauwörther Straße 83 bei Haushammer und in der Donauwörther Straße 106. Dies ist der letzte auf der Meldekarte eingetragene Wohnsitz von Rupert Winter. Vermerkt ist da, dass die Ehefrau Priska in der Weißstraße 1 blieb. Im Augsburger Adressbuch von 1943 ist Rupert Winter jedoch in der Donauwörtherstraße 83 gemeldet; somit muss diese Adresse als sein letzter freiwilliger Wohnort gelten.

Am 30. August 1939 wird Rupert Winter verhaftet und in die Haftanstalt Augsburg eingeliefert. Als Haftgrund ist im Gefangenenbuch angegeben „G.G. Augsburg und München Stadlheim“. Was bedeutet das? Hatte die Inhaftierung etwas mit dem bevorstehenden Kriegsbeginn am 1. September 1939 und der am 2. September 1939 erlassenen Grenzzonen-Verordnung zu tun? Oder war sie Teil der anderen Verfolgungsmaßnahmen gegen Sinti – wie die Aktion Arbeitscheu 1938 oder die Verhaftungen im Zuge von Himmlers „Festsetzungserlass“, der allerdings erst am 17. Oktober 1939 erlassen wurde?

Nach 7 Tagen, am 6. September 1939, wird Rupert Winter aus dem Augsburger Gefängnis entlassen, als Grund dafür ist „Verschubung“ angegeben. Wohin er „verschubt“ wurde, ob in ein anderes Gefängnis oder ein Konzentrationslager, ist nicht bekannt. Unbekannt ist auch, wie er die folgenden dreieinhalb Jahre bis Frühling 1943 verbrachte – ob in Freiheit oder in Gefangenschaft, bei Zwangsarbeit oder in seinem Beruf. Er muss trotz aller Bedrängnis und Verfolgung enge Beziehungen zu seinen Verwandten gehabt haben –  seine Mutter Kreszenz und sein Bruder Johann lebten im Fischerholz; und in der Zeit vor seiner Deportation wohnte er mit seiner Nichte Anna Sofia und ihren drei Kindern  in der Donauwörtherstraße 83.

Auch wenn wir wenig darüber wissen, wie Rupert Winter die Jahre 1939 bis 1943 verbrachte – sicher ist, dass er Opfer der zweiten großen Deportation von Sinti und Roma im März 1943 wurde. Nach Himmlers „Auschwitz-Erlass“ wurden etwa 13.000 Sinti und Roma aus dem Reich in das Vernichtungslager deportiert. Am 11. März kommt Rupert Winter ins Konzentrationslager Dachau; drei Tage später, am 14. März 1943, wird er von Dachau ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Vermutlich ist er wie viele andere, wie auch seine Augsburger Verwandten, im so genannten „Zigeuner-Familienlager“ Auschwitz-Birkenau untergebracht. Schon vier Monate später erliegt er dort den grausamen Haftbedingungen.

Am 1. Juli 1943 stirbt Rupert Winter, erst 46 Jahre alt. Den Totenschein stellt der berüchtigte Lagerarzt Mengele aus. Als Todesursache ist Fleckfieber angegeben.

Angela Bachmair

Johann Winter

Geboren

09.02.1891

Gestorben

12.11.1943

Letzter freiwilliger Wohnort

Augsburg, Fischerholz

Kreszenz Winter

Geboren

16.12. (oder 04.) 1863

Gestorben

31.05.1943

Letzter freiwilliger Wohnort

Augsburg, Fischerholz

Ferdinand Reinhardt

Geboren

12.01.1923

Gestorben

03.11.1943

Letzter freiwilliger Wohnort

Augsburg, Weißstraße 1

Marie Reinhardt

Geboren

11.02.1924

Gestorben

13.01.1944

Letzter freiwilliger Wohnort

Augsburg, Weißstraße 1

Maria Reinhardt, geb. Winter

Geboren

15.05.1894

Gestorben

Datum nicht bekannt

Letzter freiwilliger Wohnort

Augsburg, Weißstraße 1

Sofia Anna Winter

Geboren

14.03.1917

Gestorben

13.05.1944

Letzter freiwilliger Wohnort

Augsburg, Donauwörther Straße 83

Gabriel Winter

Geboren

09.05.1937

Gestorben

1943 oder 1944

Letzter freiwilliger Wohnort

Augsburg, Donauwörther Straße 83

Karl Winter

Geboren

17.03.1940

Gestorben

1944

Letzter freiwilliger Wohnort

Augsburg, Donauwörther Straße 83

Roswitha Winter

Geboren

14.01.1942

Gestorben

24.04.1943

Letzter freiwilliger Wohnort

Augsburg, Donauwörther Straße 83

Franz Reinhardt

Geboren

05.01.1898

Gestorben

10.08.1943

Letzter freiwilliger Wohnort

Augsburg, Weißstraße 1

Stadtarchiv Augsburg (StadtAA)
Meldekarte (MK)
– MK Kreszenz Winter
– MK Rupert Winter

Archiv des ITS Bad Arolsen
– Gefangenenbuch Haftanstalt Augsburg
– Zigeunerbuch KZ Auschwitz
– Sterbeurkunde KZ Auschwitz

– Akten des Wohlfahrtsamts

Einwohnerbuch der Stadt Augsburg 1940, Augsburg 1940.

Einwohnerbuch der Stadt Augsburg 1941, Augsburg 1941.

Einwohnerbuch der Stadt Augsburg 1942, Augsburg 1942.

Einwohnerbuch der Stadt Augsburg 1943, Augsburg 1943.

Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau (Hg.), Sterbebücher von Auschwitz, 1995.

www.auschwitz.org (aufgerufen am 13.06.2106)

www.its-arolsen.org (aufgerufen am 13.06.2106)

Angela Bachmair, Wir sind stolz, Zigeuner zu sein, Augsburg 2014.

Guenter Lewy, Rückkehr nicht erwünscht, München/Berlin 2001.

Michael Zimmermann, Rassenutopie und Genozid, Hamburg 1996.