Karl Leiter

Geboren: 16.08.1880, Augsburg

Gestorben: Datum nicht bekannt, Ort unbekannt

Wohnorte

Augsburg, Fuggerstraße 4
Frankreich
Österreich
Ungarn
Italien
Schweiz
Augsburg, Prinzregentenstraße 7
Augsburg, Völkstraße 35
Augsburg, Reisingerstraße 24
Augsburg, Hochfeldstraße 2

Orte der Verfolgung

Verhaftung im November 1938
und Verschleppung
in das KZ Dachau

Deportation
am 4. April 1942
von München-Milbertshofen
nach Piaski

Weitere Informationen

Karl Leiter wurde am 16. August 1880 in Augsburg geboren.1 Er war das vierte Kind von Katharina Leiter, geborene Bachmann aus Fischach und Moritz Leiter aus Buttenwiesen, welche am 5. März 1874 in Buttenwiesen geheiratet hatten.2 Sein ältester Bruder Max wurde am 11. Dezember 1874 auf die Welt gebracht. Ihm folgten Marie am 23. Juni 1876 und Julius am 10. September 1877.3 Die Familie wohnte in der Augsburger Fuggerstraße 4.4

Karl Leiters Kindheit und Jugendzeit sind aufgrund mangelnder Informationen nicht greifbar. Vor dem Ersten Weltkrieg verbrachte er wohl einige Zeit in Frankreich, Österreich, Ungarn, Italien und der Schweiz.5 Im Ersten Weltkrieg waren Karl und auch seine älteren Brüder Teil der bayerischen Infanterie.6 Er diente u. a. im 17. Reserve-Infanterie-Regiment und wurde 1917 und 1918 an verschiedenen Orten im Westen eingesetzt. Er hatte den Krieg offenbar unverletzt überlebt.7

Schon seit 1911 wohnte er in der Augsburger Prinzregentenstraße 7 im ersten Stock.8 1930 erfolgte der Umzug in die Völkstraße 35.9 Zu diesem Zeitpunkt war Karl Leiter bereits Inhaber des Groß- und Einzelhandelsgeschäft „Moritz Leiter” am damaligen Annaplatz B 258 (heute Martin-Luther-Platz 5), welches sein Vater 1889 gegründet hatte.10 Das Unternehmen handelte mit Band-, Putz- und Modewaren und stellte Trauerhüte her. 1929 arbeiteten dort inklusive Lehrlingen und Heimarbeitern 79 Arbeiter und Angestellte.11 Heute befindet sich dort die Augsburger Karstadt Filiale.

Spätestens 1934 wechselte Karl Leiter erneut den Wohnsitz und zog in den zweiten Stock der Reisingerstraße 24.12 In dieser Zeit änderte sich auch Karl Leiters berufliche Situation: 1935 gab es die Firma „Moritz Leiter” am Martin-Luther-Platz B 25813 nicht mehr. Stattdessen unterhielt er im Rückgebäude der Philippine-Welser-Straße D 29 (heute 13) Fabrik-Vertretungen mit einem Geschäftslokal.14 1938 hatte er ein zusätzliches Geschäftslokal in der Unteren Maximilianstraße C 2 (heute Maximilianstraße 21).[noteEinwohnerbuch der Stadt Augsburg (I. Teil: Einwohner und Firmen), Augsburg 1938, S. 171; Einwohnerbuch der Stadt Augsburg (II. Teil: Industrie, Handel und Gewerbe), Augsburg 1938, S. 74.][/note]

Unmittelbar nach der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde Karl Leiter in das Konzentrationslager Dachau gebracht. Seine Häftlingsnummer war 19972.15 Einen knappen Monat später, am 6. Dezember, wurde er wieder aus der Haft entlassen und kehrte nach Augsburg zurück.16 Es folgte ein sehr wahrscheinlich erzwungener Umzug in die Hochfeldstraße 2, wo er bis zu seiner Deportation 1942 lebte. Er musste sehr wahrscheinlich Zwangsarbeit leisten.17

Der damals 61jährige Karl Leiter stand mit seinem Bruder Julius und weiteren 127 Augsburgern auf der Deportationsliste nach Piaski im damals von Deutschland besetzten Polen. Der Zug ging am 4. April 1942 vom Sammellager München-Milbertshofen ab. Die Abfahrt ist durch die Deportationsliste bestätigt.18 Das weitere Schicksal von Karl Leiter und seinem Bruder lässt sich nicht weiterverfolgen. Es kann nur vermutet werden, dass sie im Transitghetto Piaski oder auf dem Weg dorthin an Erschöpfung, Hunger, Krankheit oder aufgrund von Gewalt gestorben sind. Die beiden Leiter Brüder waren Augsburger Kaufleute, die im Ersten Weltkrieg ihrem Land als Soldaten gedient hatten und wenig später durch die eigenen Landsleute ausgegrenzt, deportiert und ermordet wurden.

Dies ist ein Auszug der Biografie, die von Benedikt Gerlach, Schüler des Oberstufenjahrgangs 2014/2016 am Rudolf-Diesel-Gymnasium Augsburg, im Rahmen des W-Seminars „Augsburger Juden zur Zeit des Nationalsozialismus“ im Fach Geschichte erarbeitet wurde.

  1. http://jgbs.org/SuperSearch.php?Sp=3&Book=birth&Com=2 (aufgerufen am 02.10.2015).
  2. http://jgbs.org/detail.php?book=marriage&id=%206132&mode= (aufgerufen am 18.04.2016).
  3. http://jgbs.org/SuperSearch.php?Sp=3&Book=birth&Com=2 (aufgerufen am 02.10.2015). In der Transkription liegt bei dem Namen der Mutter eine Fehler vor: Es handelt sich nicht um Bertha Bacharach, sondern um Kathi Bachmann.
  4. StadtAA, FB Karl Leiter, 16.08.1880.
  5. StadtAA, FB Karl Leiter, 16.08.1880.
  6. BayHStA, Abt. IV Kriegsarchiv, Bd. 09344 KStR Bd. 2 und Bd. 08712 KStR Bd. 10 (eingesehen bei www.ancestry.de).
  7. BayHStA, Abt. IV Kriegsarchiv, Bd. 3136 KStR Bd. 3 (eingesehen bei www.ancestry.de).
  8. StadtAA, FB Karl Leiter, 16.08.1880.
  9. StadtAA, FB Karl Leiter, 16.08.1880.
  10. BWA, K 9.1/7239; z. B. Einwohnerbuch der Stadt Augsburg (I. Teil: Einwohner), Augsburg 1932, S 270. Die Firma hatte ihren Sitz lange Zeit in der Bürgermeister Fischerstraße B 239 (heute 5), siehe Adreßbuch von Augsburg (I. Teil. Alphabetisches Verzeichnis der selbständigen Einwohner der Stadt Augsburg, Augsburg 1912, S. 162; Einwohnerbuch der Stadt Augsburg (I. Teil. Alphabetisches Verzeichnis der selbstständigen Einwohner der Stadt Augsburg), Augsburg 1920, S. 208 und Einwohnerbuch der Stadt Augsburg (I. Teil: Einwohner), Augsburg 1927, S. 257.
  11. BWA, K 9.1/7239.
  12. StadtAA, FB Karl Leiter, 16.08.1880; Einwohnerbuch der Stadt Augsburg (I. Teil: Einwohner), Augsburg 1935, S. 259. Das genaue Umzugsdatum ist nicht bekannt.
  13. Im Einwohnerbuch der Stadt Augsburg des Jahres 1935 ist vermerkt: „Martin-Luther-Platz (bisher Annaplatz)“, siehe Einwohnerbuch der Stadt Augsburg (II. Teil: Straßen und Häuser), Augsburg 1935, S. 324.
  14. Einwohnerbuch der Stadt Augsburg (I. Teil: Einwohner), Augsburg 1935, S. 259; Einwohnerbuch der Stadt Augsburg (II. Teil: Straßen und Häuser), Augsburg 1935, S. 390.
  15. ITS Archive, Bad Arolsen, 1.1.6.7 / 10694100, Schreibstubenkarte Karl Leiter, Dachau.
  16. Ebd.
  17. ITS Archive, Bad Arolsen, 1.2.1.1 / 11194916, Deportationsliste der Gestapo München vom 03.04.1942. Auf dem Dokument wird als Beruf von Karl Leiter Hilfsarbeiter angegeben. Auf den Deportationslisten wurden Zwangsarbeiter oftmals als Hilfsarbeiter bezeichnet.
  18. Ebd.

Bayerisches Hauptstaatsarchiv (BayHStA),
Abt. IV Kriegsarchiv
Kriegsstammrollen (KStR; eingesehen bei www.ancestry.de):
– Bd. 09344 KStR Bd. 2,
– Bd. 08712 KStR Bd. 10
– Bd. 3136 KStR Bd. 3

Bayerisches Wirtschaftsarchiv (BWA)
Bestand IHK Augsburg, Firmenakten:
– K 9.1/7239

Archiv des ITS Bad Arolsen
– 1.1.6.7 / 10694100, Kopie der Schreibstubenkarte Karl Leiter, Dachau
– 1.2.1.1 / 11194881, Kopie der Deportationsliste der Gestapo München vom 03.04.1942

Stadtarchiv Augsburg (StadtAA)
Familienbogen (FB):
– FB Karl Leiter, 16.08.1880

Adreßbuch von Augsburg 1912, Augsburg 1912.
Einwohnerbuch der Stadt Augsburg 1920, Augsburg 1920.
Einwohnerbuch der Stadt Augsburg 1927, Augsburg 1927.
Einwohnerbuch der Stadt Augsburg 1935, Augsburg 1935.
Einwohnerbuch der Stadt Augsburg 1938, Augsburg 1938.

http://jgbs.org/SuperSearch.php?Sp=3&Book=birth&Com=2 (aufgerufen am 02.10.2015).

http://jgbs.org/detail.php?book=marriage&id=%206132&mode= (aufgerufen am 18.04.2016).