Julius Fabian (Sammlung Gernot Römer, Stadtbergen)

Dr. Julius Fabian

Geboren: 30.07.1880, Stuttgart

Gestorben: 04.05.1935, Augsburg

Wohnorte

Stuttgart
Würzburg
Berlin
Rostock
Berlin
Stuttgart
Augsburg, Maximilianstraße 7

 

Orte der Verfolgung

ab März 1933
vierwöchige Haft im Konzentrationslager Dachau

Weitere Informationen

Julius Fabian kam am 30. Juli 1880 in Stuttgart zur Welt. Seine Eltern waren Rudolf Fabian, ein Stuttgarter Kaufmann, und Regina Lewin aus Nürnberg. Julius besuchte ein humanistisches Gymnasium in Stuttgart und schloss es mit dem Abitur ab. 1898 begann er in Würzburg ein Studium der Zahnheilkunde. Für das fünfte Semester ging Julius Fabian nach Berlin. Das sechste und letzte Semester verbrachte er in Rostock, wo er an der Studie „Die Zahnstellung und ihr Einfluss auf die Sprache“ von Professor Dietrich Barfurth mitwirkte. Nach bestandenem zahnärztlichem Examen im Mai 1901 war Julius Fabian erst in Berlin und danach in Stuttgart tätig. In Augsburg übernahm er Mitte 1905 in Vertretung das zahnärztliche Institut Dr. Kaiser, bevor er 1906 eine eigene Praxis eröffnete.

Julius Fabian heiratete 1906 Gisela Guggenheimer (geb. 1887 in Augsburg), deren Eltern aus Harburg und Fischach stammten. Im selben Jahr erhielt er die bayerische Staatsbürgerschaft. Knapp ein Jahr nach ihrer Hochzeit bekam das Ehepaar Fabian Nachwuchs: Am 26. Juli 1907 wurde Sohn Rolf geboren. Rolf Fabian besuchte die St. Anna Volksschule. Ermutigt durch seine kulturell interessierten Eltern, begann er schon mit acht Jahren Violine zu spielen und wurde später Mitglied im Augsburger Orchester.

Vater Julius gewann derweil immer höheres berufliches Ansehen. Während des Ersten Weltkriegs wurde ihm ab 1915 die Leitung der gesamten zahnärztlichen Stationen des Standorts Augsburg als Garnisonszahnarzt übertragen. Seine patriotische Einstellung ließ ihn, als es bei Kriegsende auch in Augsburg zu politischen Unruhen kam, in die Bürgerwehr eintreten, die gegen die im April 1919 ausgerufene Räterepublik kämpfte. Er war außerdem Mitglied im Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (CV), dem das Bekenntnis zur deutschen Nation ein Hauptanliegen war. Während der Weimarer Republik leitete Julius Fabian die Augsburger Sektion des CV.

Im Frühjahr 1920 schrieb sich Julius Fabian, mittlerweile zum Sanitätsrat ernannt, zum Zwecke der Promotion erneut bei der medizinischen Fakultät der Universität Würzburg ein. Die Dissertation trägt den Titel „Über die Unentbehrlichkeit der Röntgenuntersuchung für den Zahnarzt unter Zugrundelegung von 30 Fällen aus der täglichen Praxis“ (Würzburg 1920). Bei den 30 Fällen handelte es sich um Patienten, die bei ihm in Augsburg in Behandlung waren. Seine Praxis war mit einem Röntgengerät ausgestattet und so ist die Dissertation auch mit zahlreichen selbst gefertigten Aufnahmen illustriert. Neben der fachlichen Arbeit engagierte sich Julius Fabian in den berufsständischen Vertretungen. Er war Vorsitzender des Zahnärztlichen Kreisvereins Schwaben-Neuburg und Vizepräsident der Bayerischen Zahnärztekammer.

Rolf Fabian hatte derweil das Abitur am Augsburger Realgymnasium (heute Peutinger-Gymnasium) bestanden. Wie sein Vater wollte Rolf Arzt werden und begann 1927 Medizin und Zahnmedizin in Würzburg zu studieren. Nach fünf Semestern und erfolgreichem Physikum beschloss er, sich auf die Zahnmedizin zu konzentrieren. Er beendete sein Studium 1932 an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und kehrte nach Augsburg zurück, um in der Praxis seines Vaters in der Maximilianstraße 7 zu arbeiten.

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 traf die Familie Fabian in kaum vergleichbarer Härte. Berufskollegen, die der NSDAP nahe standen, beschuldigten Julius Fabian ebenso umgehend wie fälschlich des Abrechnungsbetrugs. Schon im März 1933 wurden ihm daraufhin alle beruflichen Ehrenämter entzogen, er verlor die Kassenzulassung und wurde im Konzentrationslager Dachau eingesperrt. Die vierwöchige Haft und seine offenkundig komplette Rechtlosigkeit zerbrachen Julius Fabian, der sich immer als treuen deutschen Staatsbürger gesehen hatte. Als am 5. Mai 1935 die Gestapo erneut in seine Wohnung eindrang, um ihn zu verhaften, nahm sich Julius Fabian mit einer Schusswaffe das Leben.

Nach dem Tod seines Vaters führte Rolf Fabian die Praxis noch eine Weile mit Privatpatienten weiter. Er hatte sich erst kurz zuvor mit Elsbeth Guggenheimer (geb. 1914 in Augsburg) verheiratet. Den beiden war spätestens durch Julius Fabians Selbstmord klar geworden, wie bedroht ihr Leben in Deutschland war. Sie verließen Augsburg am 20. Februar 1936 und emigrierten nach Palästina. Dort kam 1944 Tochter Hannah zur Welt. Julius Fabians Witwe Gisela floh 1937 nach England und später in die USA. Elsbeths Eltern blieben dagegen in Augsburg und nahmen sich am 7. März 1943, in der Nacht vor ihrer Deportation, gemeinsam mit dem Ehepaar Englaender das Leben. Damit waren drei der vier Eltern von Rolf und Elsbeth Fabian von den Nationalsozialisten in den Tod getrieben worden.

Das Ehepaar Fabian blieb bis zum Lebensende in Rechovot, einer Stadt 20 km südlich von Tel Aviv. Elsbeth starb am 15. Januar 1990, Dr. Rolf Fabian am 7. November 1995.

Michael Spotka, Dr. Julius und Dr. Rolf Fabian, in: Benigna Schönhagen und Michael Spotka, Augsburgs jüdische Ärzte im Nationalsozialismus. Ein Stadtrundgang, Augsburg 2016.

Stadtarchiv Augsburg (StadtAA)
Bestände Familienbögen und Meldekartei

Hanna Gaywood, Bar Mizwa-Souvenir, in: Ein gewisses jüdisches Etwas. Eine Ausstellung zum Selbermachen im Jüdischen Kulturmuseum Augsburg-Schwaben vom 21. Juni bis 30. August 2009, Dokumentation der Ausstellung, hrsg. von Benigna Schönhagen, Augsburg 2009, S. 34f.

Gernot Römer, Schwäbische Juden. Leben und Leistungen aus zwei Jahrhunderten in Selbstzeugnissen, Berichten und Bildern, Augsburg 1990, S. 238f.

Gernot Römer, Ein fast normales Leben. Erinnerungen an die jüdischen Gemeinden Schwabens, Ausstellung der Stiftung Jüdisches Kulturmuseum Augsburg-Schwaben, Augsburg 1995, S. 111.