Josef Prantl

Josef Prantl

Geboren: 25.06.1913, Unterbachern bei Dachau

Gestorben: 17.04.1944, Brandenburg/Havel

Wohnorte

Augsburg, Stadtbachstraße 9

Orte der Verfolgung

Zuchthaus Brandenburg/Havel

Erinnerungszeichen

Am 4. Mai 2017 wurde ein Erinnerungsband für Josef Prantl in der Stadtbachstraße 9 angebracht.

Weitere Informationen

Josef Prantl: Mit dem Tod bestraft, weil er sagte, was alle wussten

Aus Augsburg gibt es außer den Widerstandskämpfern Bebo Wager von den Revolutionären Sozialisten und Roland von Hößlin aus dem Kreis der Verschwörer vom 20.Juli 1944 drei weitere Opfer des Volksgerichtshofs. Es waren Arbeiter, die wegen angeblicher Wehrkraftzersetzung in den Jahren 1942, 43 und 44 zum Tod verurteilt wurden.

Der Augsburger Josef Prantl ist ein tragisches Beispiel dafür, wie ein offenes Wort  das Leben kosten konnte, wenn es dem Falschen zu Ohren kam. Der 30-jährige Gärtner aus dem Stadtbachquartier führte im Herbst 1943 in der Großmarkthalle in der Halderstraße  ein Gespräch über die politische Lage. Gegenüber einem Kollegen auf Fronturlaub sprach er aus, was alle klar Denkenden zu diesem Zeitpunkt wussten:“ Der Krieg ist  verloren.“ Und er fügte hinzu: „Ihr Soldaten werdet doch belogen.“ Für diese seine Meinung wurde er von dem Jüngeren denunziert, von der Gestapo festgenommen, wegen sog. Wehrkraftzersetzung angeklagt und nach Berlin vor den Volksgerichtshof geschafft. Am 24. Februar 1944 sprachen die Mörder in den Roben das Todesurteil über den zweifachen Familienvater. Ein Gnadengesuch seiner Frau blieb unbeantwortet. Ein letzter Besuch wurde ihr verweigert.

Im Spruchkammerverfahren gegen den Hochzoller Ortsgruppenleiter Jakob Schuhmann, hatten mehrere Zeugen bestätigt, dass sich dieser in einer Versammlung der Augsburger Gärtner applaudierend zu dem Verfahren gegen seinen Berufskollegen geäußert habe: „Wir hatten ein Schwein unter uns. Er ist wahrscheinlich nicht mehr am Leben. Sollte es noch so einen geben, wird es dem genau so gehen.“

Frau Prantl sagte aus, sie sei damals mit ihren Kindern an der Hand nach Hochzoll gefahren, um Schuhmann zu bitten, sich für ihren Mann einzusetzen und habe die Antwort bekommen: “ Für Ihren Mann tue ich nichts.“

Am 17. April wurde das Urteil an Josef Prantl durch Enthauptung vollstreckt. Mit ihm starben an diesem Tag in der Strafanstalt Brandenburg 30 ebenso unschuldige, ehrenwerte  Menschen. Darunter der Priester Max Josef Metzger.

30 Mark war der Lohn des Henkers für jeden Vollzug. Die Witwe, die erst nach der  Vollstreckung vom Rechtsanwalt verständigt werden durfte,  musste die Kosten für Haft und Hinrichtung bezahlen: 759 Reichsmark. Der Leichnam wurde nicht zur Bestattung frei gegeben. Bis heute wissen die Söhne nicht, was mit ihm geschehen ist. Nur eine Tafel mit dem Namen ihres Vaters in der Gedenkstätte des Westfriedhofs erinnert an ihn.

Für den ermordeten Ehemann und Vater ihrer Kinder bekam Frau Prantl 1969 eine Entschädigung, auch als „Wiedergutmachung„ bezeichnet, in Höhe von 2053 DM zugestanden.

Einer der beiden Blutrichter, die das Urteil über den Augsburger sprachen, Dr. Paul Reimers, war bis zu seiner Pensionierung 1962 Landgerichtsrat in Ravensburg. Wegen 97 von ihm verhängter Todesurteile wurde 1984 ein Hauptverfahren gegen ihn eröffnet. Dem entzog er sich durch Selbstmord. Er war damals 82 und nicht mehr verhandlungsfähig. Nur ein einziger der  570  Richter des Volksgerichtshofs, die über 5000 Menschen aufs Schafott schickten, wurde  angeklagt. Auch er ging  straffrei aus.

Der Denunziant, später Besitzer einer Gärtnerei in Pfersee, wurde im Spruchkammerverfahren in die Gruppe I (Hauptschuldiger) eingestuft und zu vier Jahren Internierungslager verurteilt, die er in Göggingen antrat. Nach einem Jahr wurde er entlassen, nachdem das Urteil vom Kassationshof aufgehoben worden war. Schon vorher war ein Verfahren wegen Denunziation vom Landgericht Augsburg eingestellt worden.

In der Akte von Jakob Schuhmann findet sich der Abschiedsbrief des Verurteilten an seine Frau und Kinder:

„Meine liebe gute Marie mit armen Kindern!

Meine letzte Stunde ist angebrochen. Heute 17. April nachmittags drei Uhr löscht man mir mein Leben aus. Lebt alle wohl, ich sterbe wohl vorbereitet. Liebe Marie, in letzter Stunde noch einen Dank für alles Gute, was Du für mich getan hast. Sei meinen armen Kindern eine gute Mutter, so lang sie dich brauchen. Alle Hoffnung war umsonst. Habe keine Angst vor dem Tod, werde zu meinen Brüdern gehen. Meine Vorahnung hat mich also nicht getäuscht. Glaubte immer noch, ich könnte Dich, meine gute Marie und meinen lieben Vater noch einmal sehen, aber es konnte leider nicht mehr der Fall sein.

Grüße mir noch alle, meine lieben Eltern, Geschwister und Bekannte. Mein alles im Leben war für Dich gute treue Frau und Ihr, meine lieben armen Kinder zu sorgen, es ist mir leider nicht mehr möglich. Aber Du bist immer eine brave fleissige Frau und treusorgende Mutter gewesen für unsere Kinder. Du wirst auch in Zukunft nicht untergehen. Nun ist meine letzte ¼ Stunde angebrochen, bald bin ich von dieser Welt gegangen. Also liebe Marie, liebe Kinder lebt wohl, ich wünsche Euch alles Gute in Eurem Leben. Letzter Gruß

Euer Vater“

Der Brief wurde nicht zugestellt.

 

Das Wirken der Richter blieb ungesühnt. Keiner der 570 Richter und Staatsanwälte wurde zur Rechenschaft gezogen. Bei zweien hat man es ohne Erfolg versucht. Aus dem Heer der Denunzianten wurden vier verurteilt. Sehr viele der Blutrichter blieben im Amt und dienten der Bundesrepublik. Der spätere Direktor des Landgerichts Augsburg Dr. Ferdinand Herrnreiter war vorher Staatsanwalt beim Volksgerichtshof gewesen. Der Witwe Freislers wurde 1974 eine höhere Pension bewilligt, weil ,so war die Begründung, ihr Mann seine berufliche Karriere hätte fortsetzen können. Angesichts der Laufbahnen seiner Kollegen scheint das gar nicht so absurd. Die Justiz hat zwar die Täter aus Partei, SS und Wehrmacht abgeurteilt, die aus den eigenen Reihen aber geschont.

Die Biografie wurde von Alfred Hausmann erstellt.

Bundesarchiv, Außenstelle Ludwigsburg
– Auskunft von Herrn Gohle vom 28.6.2016

Gespräch mit Herrn Max Prantl am 19.1.2016

Privatsammlung Dr. Martin Prantl, Berchtesgaden
– Anklageschrift und Urteil gegen Josef Prantl

Staatsarchiv Augsburg (StAA)
– Spruchkammerakte des Internierungs- und Arbeitslagers Moosburg 411/ 47 und Sch 936 Jakob Schuhmann

– Spruchkammerakten Daferner Christian sen. II D353 und Daferner Christian jun. IV 247/6

Amtsgericht Augsburg (AG Augsburg)
– Nachlassakte Josef Prantl VI II84/1944

Staatsarchiv München (StAM)
– Auskunft von Herrn Bierschneider vom 25.5.2016

Augsburger Allgemeine,
vom 29.1.2016.

Schwäbische Landeszeitung,
vom 13.6.1947.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1961-2.html

http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1968-39.html

http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1968-50.html

http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1980-5.html

http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1980-15.html

http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1994-28.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Volksgerichtshof

Walter Wagner, Der Volksgerichtshof im nationalsozialistischen Staat, München 1974.