Johann Mayer

Johann Mayer

Geboren: 08.10.1919, Gersthofen

Gestorben: 05.06.1941, Hartheim bei Linz

Wohnorte

Gersthofen, Heimstättenweg 3

Orte der Verfolgung

Augsburg (Sterilisation)

München Stadelheim

Heil-und Pflegeanstalt Kaufbeuren

Hartheim bei Linz, T-4 Aktion

Weitere Informationen

Dies ist die Geschichte von Johann Mayer, geb. am 8. Oktober 1919 in Gersthofen, verstorben am 5.6.1941 in Hartheim bei Linz.

Die erzählte Geschichte erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, im Gegenteil. Die Geschichte ist infolge von Kriegsverlusten in den Archiven und in Ermangelung mündlicher Quellen lückenhaft. Kenntnisse über das Opfer haben wir ausschließlich aus der Perspektive der nationalsozialistischen Machthaber, also derjenigen, die Johann Mayer und seiner Familie die Lebensperspektive von Anfang an erschweren, seine Lebensberechtigung infrage stellen, schwere Eingriffe in den persönlichsten Bereich vornehmen, schließlich die physische Existenz von Johann Mayer vernichten.1 Wir haben keine Kenntnisse über seine Ziele, Vorlieben und Sehnsüchte, seine Empfindungen und Ängste.

Ziel der Kurzvita ist es, die Erinnerung an ein Opfer des Nationalsozialismus wach zu halten.

Johann ist das uneheliche Kind des Bademeisters Franz Klenner, geb. am 23.4.1896 in Obergessertshausen, und Maria Mayer, geb. am 14.7.1895 in Augsburg.

Maria Mayer heiratet am 11.02.1923 in Gersthofen Jakob Schaller, geb. am 14.07.1883 in Gersthofen. Beide wohnen gemeinsam mit dem Sohn der Maria in der Langemarckstraße 4 in Gersthofen. Johann besucht vor Ort die Volksschule. Er ist kein guter Schüler, seine Zeugnisse weisen auf eine gewisse Lernschwäche hin, Sport ist sein bestes Fach. Heute würde man vielleicht sagen, dass er verhaltensauffällig und konzentrationsschwach ist. Zwei Klassen muss er wiederholen.

Johann Mayer als Hitlerjunge.

 

Mit 14 Jahren beginnt er eine Arbeit in der Ziegelei in Gersthofen, danach ist er 4 Jahre lang in einem Sägewerk in Gersthofen als Hilfsarbeiter tätig. Ein Photo vom 19. August 1933, welches uns die Familie zur Verfügung gestellt hat, zeigt ihn beim Gebietstreffen der Hitlerjugend in München.2 Als sein Pflegevater Jakob Schaller im Mai 1937 verstirbt, scheint ihm die strenge fürsorgliche Hand abhandengekommen zu sein. Er ist gerade mal 19 Jahre, als er unsittlicher Handlungen mit Kindern bezichtigt wird. Ein Verfahren gegen ihn wird aber nicht eingeleitet, weil er für das ihm zur Last gelegte Delikt laut § 51, I nicht belangt werden könne.3

Aber der Bürgermeister der Gemeinde Gersthofen, Hans Geißer, meldet den Vorfall am 19. Januar 1938 unverzüglich dem Staatlichen Gesundheitsamt Augsburg Land in der Frölichstraße.4

Der nebenbezeichnete Johann Mayer, genannt Schaller ist ein erblich belasteter Bursche. Da er, wie beobachtet wurde, sittlich nicht ganz einwandfrei ist, halte ich es für geboten, denselben einer amtsärztlichen Untersuchung zuzuführen, mit dem Ziele, die Frage einer etwaigen Entmannung zu prüfen. Die Mutter des Schaller, Witwe Maria Schaller, wohnhaft in Gersthofen, Langemarckstraße 4, ist geistig ebenfalls nicht auf der Höhe, sodass anzunehmen ist, dass die erbliche Belastung von seiner Mutter herrühren dürfte.

Gez. Geißer, Bürgermeister“

Das Gesundheitsamt leitet infolge der Meldung sofort ein Verfahren gegen Johann Mayer, genannt Schaller ein.5

Bereits am 2.4.1938 ordnet das Gesundheitsamt Augsburg-Land eine amtsärztliche Untersuchung von Johann an und fordert seinen Vormund Johannes Vasold, den Schwager der Mutter, auf, „dafür Sorge zu tragen, dass der ledige Hilfsarbeiter Johann Mayer, geb. am 8.Oktober 19 zu Gersthofen, dessen Vormund sie sind, zum Zwecke einer amtsärztlichen Untersuchung im Staatlichen Gesundheitsamt Augsburg-Land, Frölichstraße 10 ½ kommt, u.z. am Freitag den 8.4.1938 nachmittags um 3 Uhr.“

Die Hilfsärztin beim Gesundheitsamt Augsburg-Land, Dr. Meßner, kommt in ihrem Gutachten zur folgenden Diagnose:
Angeborener Schwachsinn. Sittlichkeitsvergehen, wegen § 51/I Verfahren eingestellt. Schwere Urteilsstörung. Gedächtnis sehr schwach. Beinahe Analphabet. Beruflich so wenig fähig, dass er nur zu ganz einfachen Tätigkeiten gebraucht werden kann. Vererbung wohl von Mutters Seite her. Hohe Gefahr der Fortpflanzung bzw. der Ausführung von Sexualverbrechen.“ Dr. Meßner, Hilfsärztin.6

Bereits eine Woche später stellt der Bezirksarzt beim Gesundheitsgericht Augsburg-Land beim Erbgesundheitsgericht Augsburg den Antrag, Johann Mayer unfruchtbar zu machen, da dieser an angeborenem Schwachsinn leide. Zur Glaubhaftmachung bezieht sich Dr. Valentin Schmid, der Bezirksarzt im Gesundheitsamt Augsburg-Land auf das amtsärztliche Gutachten und auf die Akten der Staatsanwaltschaft Augsburg.7

Der Vormund von Johann Mayer, sein Onkel Johann Vasold, stimmt dem Antrag zur Unfruchtbarmachung des Johann wie folgt zu: „ Bezugnehmend auf ihr Schreiben vom 22.4. 38 habe ich keine Einwendungen zu machen. Anfallende Kosten können aber nicht bestritten werden. Heil Hitler! Der Vormund Hans Vasold.“
Nun nehmen die Dinge ihren Lauf. Das Erbgesundheitsgericht am Amtsgericht fasst  in einer nichtöffentlichen Sitzung am 24. Mai 1938 nach Beratung eines Dreiergremiums (Amtsgerichtsrat Hartmann als Vorsitzender, Bezirksrat Dr. Gloel als beamteter Arzt und Nervenarzt Dr. Willburger als weiterer Arzt) einstimmig den folgenden Beschluss:

  1. Mayer Johann, geb. 8. Oktober 1919 zu Gersthofen, lediger Hilfsarbeiter in Gersthofen, Heimstättenweg 3b/bei Vasold, im Verfahren gesetzlich vertreten durch Vormund Johann Vasold, Eisendreher in Gersthofen, Heimstättenweg 3, ist unfruchtbar zu machen
  2. Die Kosten des gerichtlichen Verfahrens trägt die Reichskasse.

Begründet wird die Entscheidung wie folgt:
„Johann Mayer hat als Kind sehr spät sprechen gelernt. In der Schule waren seine Leistungen mangelhaft, zwei Schulklassen musste er wiederholen. Auch in der Fortbildungsschule haben seine Leistungen den Anforderungen nicht entsprochen. Nach der Schulentlassung hat er zuerst in einer Ziegelei gearbeitet. Seit 4 Jahren ist er Hilfsarbeiter in einem Sägewerk in Gersthofen. Ein Strafverfahren wegen Sittlichkeitsverbrechen (unsittliche Handlungen mit Kindern) wurde im Jahr 1938 eingestellt, da Mayer nach dem Gutachten des Landgerichtsarztes von Augsburg strafrechtlich nicht verantwortlich gemacht werden kann. (Akten der Staatsanwaltschaft Augsburg 7 Js 46/38). Erbkrankheiten in seiner Familie konnten nicht festgestellt werden. Seine Mutter sei geistig sehr beschränkt. Bei der ärztlichen Intelligenzprüfung hat er zum großen Teil versagt. Er kann nicht lesen und nur sehr mangelhaft schreiben und rechnen. Sein Gedankenablauf ist verlangsamt, seine Urteilsfähigkeit stark eingeschränkt.8

Die gleichen Feststellungen machte das Gericht bei der kurzen Intelligenzprüfung, die es im Termin vom 24.5.38 mit ihm vornahm. Auf Grund des gerichtsärztlichen Gutachtens im Strafverfahren wegen Sittlichkeitsverbrechens, des Ergebnisses der Intelligenzprüfung und des persönlichen Eindrucks, den das Gericht im Termin vom 24.5.38 von Mayer gewann, ist das Gericht davon überzeugt, dass M. an Schwachsinn leidet. Äußere Ursachen für die Entstehung des Schwachsinns sind nicht vorhanden. Es muss daher angenommen werden, dass der Schwachsinn Mayer’s angeboren ist. Nach den Erfahrungen der ärztlichen Wissenschaft ist mit großer Wahrscheinlichkeit zu erwarten, dass eventuelle Nachkommen Mayer’s an schweren körperlichen oder geistigen Erbschäden leiden werden.

Um erbkranken Nachwuchs zu verhüten, war deshalb gemäß § 1 Abs. II Ziff. 1 EGG anzuordnen, dass Mayer unfruchtbar zu machen ist. Die Kosten des gerichtlichen Verfahrens hat die Reichskasse zu tragen, § 13 EGG.“

Gez. Dr. Gloel, beamt. Arzt; gez. Hartmann, Vorsitzender gez. Willburger, weiterer Arzt.

Augsburg, den 15.6.38 beglaubigte Abschrift ans Staatliche Gesundheitsamt Augsburg-Land, 17.6.38, St. 218.

Nachdem der Vormund von Johann Mayer; Johannes Vasold, am 24.6. schriftlich auf eine Einlegung der Beschwerde gegen den Beschluss des Erbgesundheitsgerichts beim Amtsgericht Augsburg vom 24.5. verzichtet, wird Johann Mayer am 6.6.1938 ins Städtische Krankenhaus eingewiesen.9

Der Ärztliche Bericht lautet lapidar:

„Der an angeborenem Schwachsinn leidende J.M. geb. 8.10.1919, Geb. ort Gersthofen, wohnhaft Gersthofen, Heimstättenweg 3 bei Vasold ist aufgrund der Entscheidung des Erbgerichts in Augsburg vom 15.6.38, AZ XIII 67/68 am 6.Juli 1938 von mir unfruchtbar gemacht worden. Art der Unfruchtbarmachung: Bei dem Eingriff wurden die Samenleiter in ca. 5 cm Länge beidseitig reseziert. (Inguinale Methode). Der Eingriff verlief regelgerecht. Die Wunde heilte in 6 Tagen. Der Operierte wurde am 15.7. 1938 als geheilt entlassen.

Gez. Dr. Haacke, 17.7.193810

Der ganze Zynismus der infolge des „Gesetzes zur Verhinderung erbkranken Nachwuchses“ vollzogenen Zwangssterilisierung wird in der Formulierung Dr. Haackes sichtbar, der konstatierte, der Patient sei „geheilt entlassen“ worden.11 Viele Fragen bleiben unbeantwortet. Es ist zu vermuten, dass Johann unmittelbar nach seiner Zwangssterilisierung in die psychiatrische Abteilung des Strafgefängnisses München-Stadelheim eingeliefert wurde. Jedenfalls haben wir Belege dafür, dass er dort im Januar 1939 eingesperrt ist.12

Am 12. Januar 1939 fordert die Staatsanwaltschaft Augsburg-Land die Akten über seine Zwangssterilisierung mit dem Stempel: Haft! Eilt sehr! vom Gesundheitsamt Augsburg-Land an. Wir können davon ausgehen, dass die Staatsanwaltschaft seine Verlegung in die Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren angeordnet hat. Leider sind die Akten der Staatsanwaltschaft am Landgericht Augsburg durch Kriegseinwirkung fast vollständig verloren gegangen, sodass auch die Vorverfahrensakte der Staatsanwaltschaft 7 Js46/1938, Johann Mayer betreffend nicht mehr vorliegt.13

Fest steht jedenfalls, dass Johann am 14. März 1939 „zum Zweck der Sicherheitsverwahrung“ von München Stadelheim aus in die Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren eingeliefert wird.14 Über seinen Aufenthalt in Kaufbeuren wissen wir bis zum jetzigen Zeitpunkt nichts. Die Krankenakte Johann Mayers ist weder im Archiv der HPA Kaufbeuren und Irsee noch an seinem letzten Aufenthaltsort in Hartheim oder im Bundesarchiv in Berlin auffindbar.15

Eines aber wissen wir mit Gewissheit. Im Rahmen einer T-4 Aktion werden am 4. Juni 1941 70 Männer, am 5.6.1941 71 Frauen, am 8. August nochmals 133 Frauen von Kaufbeuren nach Hartheim bei Linz verbracht. Zuvor waren von August 1940 bis Dezember 1940 die Todestransporte mit den grauen Bussen nach Grafeneck erfolgt. Laut Zu- und Abgangsbüchern wurden insgesamt 688 PatientInnen aus Irsee durch die T-4 Aktion ermordet16 Johann befand sich unter den 70 Männern, die am 4. Juni nach Hartheim „verlegt“ werden, wie das Dokumentationszentrum Hartheim auf meine Anfrage bestätigte. Ob der Transport nach Hartheim über die Zwischenanstalt Niedernhart bei Linz (heute Neuromed Campus) geführt wurde, können wir nicht mit Bestimmtheit feststellen.[noteAuskunft Peter Eigelsberger, Dokumentationsstelle Hartheim, Schlossstraße 1, A-4072 Alkoven vom 2.8.2016 und vom 23.8.2016.][/note] Niedernhart und Hartheim standen unter der Leitung von Dr. Rudolf Lonauer.
Aller Wahrscheinlichkeit nach wird Johann Mayer gemeinsam mit den 69 weiteren Patienten aus Kaufbeuren noch am gleichen Tag in der Tötungsanstalt Hartheim durch Gas ermordet. Zu diesem Zeitpunkt war Johann noch keine 22 Jahre alt.17 Auf Anfrage der Mutter und des Onkels erteilt die Staatsanwaltschaft am Landgericht Augsburg den beiden am 11. Juni die folgende Auskunft:
Im Rahmen planwirtschaftlicher Maßnahmen wurde der in hiesiger Anstalt sicherungsverwahrt gewesene Johann Mayer aus Gersthofen, für den von dort Zahlungen geleistet wurden, aus der hiesigen Anstalt in eine andere Anstalt verlegt. Weitere Zahlungen über den Tag der Verlegung hinaus sind solange einzustellen, bis sie von der Aufnahmeanstalt aufgefordert werden.

Ein amtliches Schreiben über Todeszeitpunkt und Todesursache von Johann Mayer ist nicht erhalten. Die Mutter und der Vormund erfragten am 12. Juli 1941 bei der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren, ob ihnen seine Hinterlassenschaft zugesandt würde oder diese selbst abzuholen sei.18 Der Mutter wurde die Asche ihres Sohnes zugestellt. Die sterblichen Überreste von Johann Schaller wurden auf dem katholischen Friedhof in Gersthofen beigesetzt.19

*

Die Bundesregierung erklärte am 7. Februar 1957 vor dem Deutschen Bundestag:

„Das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses vom 14. Juli 1933 ist kein typisch nationalsozialistisches Gesetz, denn auch in demokratisch regierten Ländern – z. B. Schweden, Dänemark, Finnland und in einigen Staaten der USA – bestehen ähnliche Gesetze; das Bundesentschädigungsgesetz gewährt aber grundsätzlich Entschädigungsleistungen nur an Verfolgte des NS-Regimes und in wenigen Ausnahmefällen an Geschädigte, die durch besonders schwere Verstöße gegen rechtsstaatliche Grundsätze Schäden erlitten haben.“
Mit dieser Einschätzung waren die Opfer des Gesetzes nicht berechtigt zum Erhalt von Entschädigungen nach dem Bundesentschädigungsgesetz. Noch gültige Vorschriften des GzVeN über Maßnahmen mit Einwilligung des Betroffenen wurden durch Artikel 8 Nr. 1 des Gesetzes vom 18. Juni 1974 (BGBl. I S. 1297) aufgehoben. 1986 erklärte das Amtsgericht Kiel, dass das Erbgesundheitsgesetz dem Grundgesetz widerspricht.

Im Jahre 1988 ächtete der Bundestag die auf Grundlage des GzVeN durchgeführten Zwangssterilisierungen. Im Beschluss heißt es:
„Der Deutsche Bundestag stellt fest, dass die in dem Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses vom 14. Juli 1933 vorgesehenen und auf der Grundlage dieses Gesetzes während der Zeit von 1933 bis 1945 durchgeführten Zwangssterilisierungen nationalsozialistisches Unrecht sind.“

  1. „Der Deutsche Bundestag ächtet die Maßnahmen, die ein Ausdruck der inhumanen nationalsozialistischen Auffassung vom ‚lebensunwerten Leben‘ sind.“
  2. „Den Opfern der Zwangssterilisierung und ihren Angehörigen bezeugt der Deutsche Bundestag Achtung und Mitgefühl.“

Am 25. August 1998 verabschiedete der Bundestag das „Gesetz zur Aufhebung nationalsozialistischer Unrechtsurteile in der Strafrechtspflege und von Sterilisationsentscheidungen der ehemaligen Erbgesundheitsgerichte“. Damit hob er die von den Erbgesundheitsgerichten auf Grundlage des GzVeN erlassenen rechtskräftigen Beschlüsse zur Sterilisierung auf. 2007 wurde das GzVeN „in seiner Ausgestaltung und Anwendung“ vom Deutschen Bundestag als „nationalsozialistisches Unrecht“ geächtet. Die Opfer des GzVeN werden jedoch bis zum heutigen Tage nicht als Verfolgte des Nationalsozialismus anerkannt und haben so keinen Rechtsanspruch auf Entschädigung nach dem Bundesentschädigungsgesetz.

Die Biografie wurde erarbeitet von:
Dr. Bernhard Lehmann, 86368 Gersthofen, Haydnstraße 53 Tel. 0821/497862 e-mail: bernhard.lehmann@gmx.de

  1. Je nach Aktenlage und Akteneinsicht, z.B. durch neue Funde, ist diese unvollständige Biographie einer ständigen Revision unterworfen.
  2. Photo von Johann Mayer. Auf der Rückseite des Photos ist handschriftlich vermerkt: Zur Erinnerung an das Gebietstreffen der Hitlerjugend in München, 19./20. August 1933. Hans Schaller.
  3. GZ StArchiv-A-5051.6-998/1/2  (Akten des Erbgesundheitsgerichts Augsburg, XIII 67,1938; ebenda, Beschluss des Erbgesundheitsgerichts vom 24. Mai 1938 in seiner Begründung. Die Akten der Staatanwaltschaft 7 Js46/38 sind infolge von Kriegsschäden im Staatsarchiv Augsburg nicht mehr verfügbar, Auskunft von Günter Steiner, Staatsarchiv Augsburg vom 26.8.2016. Da die Akte der Staatsanwaltschaft nicht vorliegt, können wir hinsichtlich seiner „unsittlichen Handlungen“ lediglich auf die Angaben im amtsärztlichen Gutachten der Hilfsärztin Dr. Meßner zurückgreifen. Dort heißt es: „Hat an kleinen Mädchen unsittliche Handlungen vorgenommen.“ Sowie später im Gutachten: „Wegen sittlich nicht einwandfreien Handlungen gerichtlich belangt.“ Ebenda, Anlage 5, RGBl, 1933, S. 1026.
  4. GZ StArchiv-A-5051.6-998/1/2  (Akten des Erbgesundheitsgerichts Augsburg, XIII 67,1938; Der Bürgermeister der Gemeinde Gersthofen an das Staatliche Gesundheitsamt Augsburg-Land, Frölichstraße 10/2 vom 19.1.1938. Am 14. Juli 1933 wurde das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ verabschiedet, das ab 1.1.1934 in Kraft trat. Ohne Einwilligung der Betroffenen sollten „Wahnsinnige“, Schizophrene, Manisch-Depressive, Epileptiker, Personen bei denen Blindheit, Taubheit, Kleinwüchsigkeit, spastische Lähmungen, Muskeldystrophie, Missbildungen an Fingern, Füßen und Hüften als erblich diagnostiziert worden sind, und Personen, denen schwerer Alkoholismus angelastet wird, von Ärzten und anderen Angehörigen medizinischer Berufe gemeldet und nach Entscheidung eines Erbgesundheitsgerichts sterilisiert werden: http://www.documentarchiv.de/ns/erbk-nws.html Gesetz vom 14.7.1933, RGbl. I, S. 529. Bereits im August 1938 erfolgte ein Erlass zur Erfassung behinderter Kinder und Ermordungen in den sogenannten „Kinderfachabteilungen“. Anfangs war die „Kindereuthanasie“ bis zum 3. Lebensjahr beschränkt, später wurde die Altersgrenze auf 18 Jahre hochgesetzt. https://www.dgppn.de/dgppn/geschichte/nationalsozialismus/kinderfachabteilungen.html; http://www.wider-des-vergessens.org/index.php?option=com_content&view=article&id=226%3Aeuthanasie-definition-im-wandel-der-zeit&catid=17%3Aeuthanasie&limitstart=3 Ab 9. Oktober 1939 waren sämtliche Heil- und Pflegeanstalten verpflichtet, Menschen mit schweren psychischen Krankheiten zu melden, vor allem solche, die als nicht mehr arbeitsfähig oder unheilbar eingestuft wurden. Anhand der Meldebögen wurden die Opfer für die geplanten Tötungen ausgewählt. Die Tötungen werden heute als „T-4 Aktion“ bezeichnet, nach dem  Dienstsitz der Zentrale in der Tiergartenstraße 4: https://www.dhm.de/lemo/kapitel/der-zweite-weltkrieg/voelkermord/euthanasie.html; Robert Domes, Nebel im August, Die Lebensgeschichte des Ernst Lossa; München 2008, S. 331 f.
  5. Das Gesundheitsamt folgte damit dem Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses, das am 1.1.1934 in Kraft getreten war. http://www.documentarchiv.de/ns/erbk-nws.html.
  6. GZ StArchiv-A-5051.6-998/1/2  (Akten des Erbgesundheitsgerichts Augsburg, XIII 67,1938). Ebenda. Amtsärztliches Gutachten, Anlage 5, RGBL 1933, S.1026.
  7. Ebenda. Schreiben Dr. Valentin Schmid, Bezirksarzt am Gesundheitsamt Augsburg-Land an das Erbgesundheitsgericht Augsburg, 13.4.1938.
  8. Erbgesundheitsgericht Augsburg XIII 67/1938 , Entscheidung des Erbgesundheitsgerichts am Amtsgericht Augsburg, 24.5.1938. Im Intelligenzerfassungsbogen wurde seitens der Hilfsärztin dem Johannes Mayer sehr wohl die überraschende Fähigkeit beim Nacherzählen von Geschichten attestiert sowie die Fähigkeit, Sprichwörter zu erklären. Er sei sehr an Kinofilmen und am Theater interessiert und würde die gesehenen Stücke gut zu Hause wiedererzählen.
  9. Ebenda, Schreiben von Johann Vasold an das Erbgesundheitsgericht, 24.6.1938.
  10. Ebenda, Ärztlicher Bericht  Dr. Haacke, 17.7.1938.
  11. Ebenda.
  12. Staatsanwaltschaft Augsburg an das Gesundheitsamt Augsburg-Land, 27.2.1939.
  13. Wie Anmerkung 1 oben.
  14. Der Direktor der Kreis-, Heil-und Pflegeanstalt Kaufbeuren an das Staatliche Gesundheitsamt Augsburg-Land, 16.3.1939. Oberarzt Dr. Gärtner erbat vom Gesundheitsamt die kurzfristige Überlassung der Sterilisationsakten des Johann Mayer. Erbgesundheitsgericht Augsburg XIII 67/1938: GZ StArchiv-A-5051.6-998/1/2 Akte.
  15. Mündliche Auskunft Herr Steiner vom Staatsarchiv Augsburg 26.8.2016. Laut Auskunft des Archivs der HP Kaufbeuren wurden die Akten von Johann Mayer nach Hartheim abgegeben, allerdings sind sie auch dort nicht auffindbar. Es ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass sie dort vernichtet wurden.
  16. Zahl aus: Schmidt, Martin/Kuhlmann, Robert/Cranach, Michael von, Die Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren, in: Cranach, Michael von/Siemen, Hans-Ludwig (Hrsg.), Psychiatrie im Nationalsozialismus. Die Bayerischen Heil- und Pflegeanstalten zwischen 1933 und 1945, München 1999, S. 265-325.
  17. Auskunft Peter Eigelsberger, ebenda, sowie Dokumentationen der T-4-Aktionen von Kaufbeuren aus im Archiv der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren.
  18. Archiv der Heil-und Pflegeanstalt Kaufbeuren, Akte Korrespondenz mit Angehörigen. 12.7.1941  und 11.6.1941 (An die Staatsanwaltschaft LG Augsburg).
  19. Auskunft der Friedhofsverwaltung Gersthofen.

Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren Historisches Archiv
– Akte Korrespondenz mit Angehörigen, 12.7.1941 und 11.6.1941

Dokumentationsstelle Hartheim, Schlossstraße 1, A-4072 Alkoven
Auskunft Peter Eigelsberger vom 2.8.2016 und vom 23.8.2016

Staatsarchiv Augsburg
– 5051.6-998/1/2, Akten des Erbgesundheitsgerichts Augsburg beim Amtsgericht Augsburg, AZ XIII 67, 1938