Hanna Sophie Baumann

Geboren: 31.03.1935, Lahr

Gestorben: 20.11.1941, Kaunas (Kowno), Litauen

Wohnorte

Schmieheim
Neustadt an der Weinstraße
Augsburg, Ulmer Straße 185

 

 

 

Orte der Verfolgung

Deportation
am 20. November 1941
von München-Milbertshofen
nach Kaunas (Kowno), Litauen

Weitere Informationen

Hanna Sophie Baumann1 wurde am 31. März 1935 im badischen Lahr geboren. Ihre Eltern waren Irma Baumann, geb. Bloch, und der Kaufmann Karl Baumann. Beide stammten aus dem badischen Schmieheim, die Mutter wurde dort am 3. Dezember 1893 und der Vater am 28. Juli 1891 geboren. In Schmieheim heirateten sie am 18. Januar 1934 und gründeten eine Familie.2 Irmas Schwester Meta Bloch war am 21. Januar 1890 geboren worden.3 Die Eltern der Schwestern Meta und Irma Bloch waren Hannchen Bloch, geb. Wachenheimer, und Abraham Bloch, der in der jüdischen Gemeinde von Schmieheim mehr als 45 Jahre als Kantor und Lehrer tätig war.4

Die vierjährige Hanna und ihre Eltern zogen am 21. September 1939 von Neustadt an der Weinstraße nach Augsburg-Kriegshaber in die Ulmer Straße 185.5 Es konnte nicht rekonstruiert werden, wann die Familie von Schmieheim nach Neustadt an der Weinstraße gezogen war.6 Die Wohnung in Kriegshaber wurde ihnen von dem jüdischen Ehepaar Moriz und Lydia Einstein vermietet, die in der Folgezeit noch weitere Juden in ihr Haus aufnahmen. Die Küche wurde von den Bewohnern gemeinsam genutzt und der Haushalt zusammen geführt. Ob die Einsteins von den NS-Behörden gezwungen wurden, wohnungssuchende Juden aufzunehmen, ist nicht bekannt. Durch die am 30. April 1939 verfügte Aufhebung des Mieterschutzes für Juden, die in Häusern von Nichtjuden wohnten, hatte sich deren Zahl stark erhöht. Jüdische Hauseigentümer konnten seitdem gezwungen werden, jüdische Mieter aufzunehmen.7

Karl Baumann war es aufgrund der nationalsozialistischen Gesetzgebung nicht mehr möglich, sein Gewerbe zu betreiben. Vermutlich musste er in einem Baugeschäft Zwangsarbeit leisten.8

Die sechsjährige Hanna und ihre Eltern Irma und Karl Baumann wurden am 20. November 1941 nach Kaunas in Litauen deportiert und dort unmittelbar nach der Ankunft erschossen.9

Nach der Deportation der Familie wurden ihre Einrichtungsgegenstände und Möbel vom Finanzamt Augsburg-Stadt beschlagnahmt und an die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV) weiterveräußert.10

Weitere Unterlagen, Fotos oder andere Gegenstände, die an Hanna Baumann erinnern, sind nicht erhalten.

In Schmieheim wurde aber ein Kindergarten nach ihr benannt. Auf der Homepage des Kindergartens ist Folgendes zu lesen: „Um […] [der] langen jüdischen Geschichte Schmieheims – in ihren guten und ihren schlimmen Zeiten – bleibend zu gedenken, soll der Schmieheimer Kindergarten den Namen Hanna Baumanns tragen. Als letzter Spross der jüdischen Bevölkerung Schmieheims kann sie stellvertretend für alle Schmieheimer Juden stehen. Der Kindergarten liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zur ehemaligen Synagoge. Die Benennung des Kindergartens nach einem jüdischen Kind Schmieheims stellt eine Herausforderung dar, die vergangene Geschichte der Juden immer wieder an die Gegenwart zu ­vermitteln. Wenn auch der Namen des Kindergartens im Alltag nicht ständig eine Rolle spielen wird, stellt doch der Namen und die mit ihm verbundene Erinnerung an das Schicksal Hanna Baumanns eine ständige Verpflichtung für die Kindergartenarbeit dar, die gerade im Alltag einzulösen ist: Der Kindergarten soll die Integration von Menschen anderer Herkunft, Kultur, Tradition und Religion fördern und die gewaltfreie Austragung von Konflikten einüben.ʺ11

Dies ist ein Auszug aus der Biografie, die Anna-Katharina Beuter im Sommersemester 2014 an der Universität Augsburg erarbeitet hat. Anna-Katharina Beuter nahm am Proseminar „Nationalsozialismus in Augsburg. Verfolgungsgeschichte im Spiegel von Lebensgeschichten Augsburger Juden“ von Dr. Benigna Schönhagen am Lehrstuhl für Europäische Ethnologie/Volkskunde teil.

  1. In einer Nachricht der Israelitischen Kultusgemeinde Augsburg an das Amtsgericht Augsburg vom 20.05.1951 wird Hanna Sophie Baumann fälschlicherweise Sophie Emma Baumann genannt, vgl.: Schreiben der Israelitischen Kultusgemeinde Augsburg an das Amtsgericht Augsburg vom 20.05.1951, in: StAA, AG Augsburg NA 484/1951 und Eidesstattliche Erklärung von Meta Bloch vom 30.06.1951, in: StAA, AG Augsburg NA 484/1951; http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de837833 (aufgerufen am 01.07.2015).
  2. Amtsgericht Ettenheim, Badisches Notariat Ettenheim, Öffentliche Urkunde über Ehe- und Erbvertrag zwischen Karl Baumann und Irma Bloch, in: StAA, AG Augsburg NA 484/1951.
  3. Eidesstattliche Erklärung von Meta Bloch vom 20.01.1951, in: StAA, AG Augsburg NA 484/1951.
  4. www.alemannia-judaica.de/synagoge_schmieheim.htm (aufgerufen am 16.06.2015).
  5. StadtAA, Pol.Bg. Ulmer Straße 185; Finanzamt Augsburg-Stadt, Abschrift von Abschriften vom 22.11.1949, in: StAA, W.B. V a 941.
  6. Einem Protokoll des Landgerichts Augsburg vom 26.05.1952, das in der öffentlichen Sitzung vor dem Einzelrichter der Wiedergutmachungskammer aufgenommen wurde, ist die Feststellung der Polizeidirektion Neustadt an der Weinstraße zu entnehmen, „dass die Eheleute Karl u. Irma Baumann dort nie polizeilich gemeldet waren.”, in: StAA, W.B. V a 941.
  7. Monika Müller, „Es ist ein hartes Los, das uns getroffen hat.“ Der Weg der Familie Einstein aus Augsburg-Kriegshaber (LEBENSLINIEN. Deutsch-jüdische Familiengeschichte, Band 5), hrsg. von Benigna Schönhagen für das jüdische Kulturmuseum Augsburg-Schwaben, Augsburg 2012, S. 43f; Finanzamt Augsburg-Stadt, Abschrift von Abschriften vom 22.11.1949, in: StAA, W.B. V a 941.
  8. Finanzamt Augsburg-Stadt, Abschrift von Abschriften vom 22.11.1949, in: StAA, W.B. V a 941.
  9. http://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_bay_411120.html (aufgerufen am 17.06.2015); http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411120-12.jpg (aufgerufen am 17.06.2015).
  10. Finanzamt Augsburg-Stadt, Abschrift von Abschriften vom 22.11.1949, in: StAA, W.B. V a 941.
  11. http://www.mccheese.de/KiGa/namensgebung.html (aufgerufen am 08.07.2015).

Staatsarchiv Augsburg (StAA)
Amtsgericht Augsburg (AG Augsburg):
– AG Augsburg NA 484/1951

Bestand Wiedergutmachungsbehörde (W.B. V):
– W.B. V a 941

www.alemannia-judaica.de/synagoge_schmieheim.htm (aufgerufen am 16.06.2015)

http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de837833 (aufgerufen am 01.07.2015)

http://www.mccheese.de/KiGa/namensgebung.html (aufgerufen am 08.07.2015)

http://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_bay_411120.html (aufgerufen am 17.06.2015)

http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411120-12.jpg (aufgerufen am 17.06.2015)

Monika Müller, „Es ist ein hartes Los, das uns getroffen hat.“ Der Weg der Familie Einstein aus Augsburg-Kriegshaber (LEBENSLINIEN. Deutsch-jüdische Familiengeschichte, Band 5), hrsg. von Benigna Schönhagen für das jüdische Kulturmuseum Augsburg-Schwaben, Augsburg 2012.