Dr. Hans Wienskowitz

Geboren: 26.05.1888, Löbau

Gestorben: 17.05.1945, Theresienstadt

Wohnorte

Löbau, (1888 – 1918)
Dillingen an der Donau, (1921 – 1945)

Studium in:
München, (1908 – 1910)
Breslau, (1910 – 1911)
Heidelberg, (1911 – 1913)

Assistenzarzt in:
Wiesbaden, (1913)
München, (1914)
Duisburg, (1918 – 1921)

Arzt im Ersten Weltkrieg 1915 – 1918 (mit Heimatadresse Löbau) u.a. in:
Königliches Reserve-Lazarett Rüdesheim
Alsfeld
Bensheim an der Bergstraße
Königlich-Preußisches Reserve-Lazarett Duisburg

Holland (am 03.12.1938 in Dillingen-Donau abgemeldet)
Ende 1938 und Anfang 1939 könnte er zeitweise in Holland bei Verwandten seiner Frau gelebt haben

Duisburg, Wohnort (Dezember 1938)
Dresden,
Fürstenstrasse 2 bei seinem Vater Dr. Oskar Wienskowitz (1939 – 1941)
Augsburg,
„Krankenbehandler“ (1941 – 1943)
Illertissen, Mitarbeiter der Firma Mack (1943 – 1945)

Orte der Verfolgung

Deportation
am 20. Februar 1945
von Augsburg
über München-Milbertshofen
nach Theresienstadt

Weitere Informationen

Dr. Hans Wienskowitz wurde 1941 von der Ärztekammer München als „Krankenbehandler“ zur Versorgung der jüdischen Bevölkerung in Augsburg eingesetzt. Damit war er einer von ca. 3.000 jüdischen Ärzten, denen die Nazis die „Behandlung von Juden sowie ihrer Frau und ihrer Kinder“ erlaubten.

Geboren wurde Hans Wienskowitz in Löbau (Sachsen) als Sohn des Sanitätsrat Dr. med. Oskar Wienskowitz und seiner Frau Dora. Studiert hat er in Breslau, München und Heidelberg. 1913 schrieb er in Heidelberg seine Dissertation über ein gynäkologisches Thema. Im August 1914 erhielt er seine Approbationsurkunde. Im ersten Weltkrieg arbeitete er als Militärarzt u.a. in den Reserve-Lazaretten in Rüdesheim, Alsfeld und Bensheim, 1917 überwiegend in Frankreich und zum Schluss in Duisburg. Für seine Verdienste im Krieg erhielt er das Eiserne Kreuz. In Duisburg lernte er seine zukünftige Frau, Else Cabalzar, kennen. Sie arbeitete als Krankenschwester im Diakonen-Krankenhaus, wo er von 1918 bis 1920 als Assistenzarzt tätig war. 1920 heirateten die beiden evangelisch, Hans Wienskowitz gehörte der evangelisch-lutherischen Religion an.

1921 zog das junge Paar nach Dillingen an der Donau, wo im Oktober der Sohn Carl Ludwig zur Welt kam. Jetzt begann eine gute und schöne Zeit für die Familie: Er war ein angesehener Arzt, der sich in den bürgerlichen Kreisen Dillingens bewegte, gerne Urlaubsfahrten unternahm und seinen Hobbies frönte, dem Fotografieren und der Kakteeenzucht. Einmal im Jahr ging es zum Faschingsball nach Augsburg. Er machte Hausbesuche auch in der Umgebung und ließ sich auch von ungünstigsten Wetterverhältnissen nicht abhalten: So wird erzählt, dass seine Frau auf der Kühlerhaube des Mercedes sitzend, ihn durch starken Nebel in ein nahegelegenes Dorf navigierte, damit er zu einem schwerkranken Patienten kam. An Weihnachten fuhr er zu bedürftigen Patienten und beschenkte sie.

1938 veränderte sich Hans Wienskowitz’ Leben radikal. Er musste seine Praxis schließen und war ohne berufliche Existenz, nachdem ihm seit dem 1. Oktober 1938 aufgrund der Vierten Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom 25. Juli 1938 die Betätigung als Arzt verboten war. Noch einmal zeigte sich, wie beliebt er war: Treue Patienten und Nachbarn sammelten Unterschriften für ihn und gaben sie dem Dillinger Bürgermeister – ohne Erfolg. Seine Frau wies alle Aufforderungen der Nationalsozialisten, sich von ihrem jüdischen Ehemann zu trennen, weit von sich und hielt bis zum Schluss fest zu ihm.

Er verließ Dillingen, zunächst um bei Verwandten seiner Frau in Holland unterzukommen. Bald zog er jedoch nach Dresden zu seinen Eltern. Dort lebte auch sein Bruder, der bis zur Judenverfolgung ein erfolgreicher Notar war. Er wird mitsamt seiner Familie in Auschwitz umkommen. Als Dr. Wienskowitz 1941 nach Augsburg zog, lernte er bei seiner Arbeit eine Fürsorgerin kennen.Er begegnete ihr später in Theresienstadt wieder; von ihr erhielt Else Wienskowitz die letzten Informationen über ihren Mann.

Ehe Dr. Wienskowitz Anfang 1945 nach Theresienstadt deportiert wurde, arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Firma Mack in Illertissen. Dem Inhaber der Firma Senator Dr. Forster, einem Bekannten der Familie, ist es noch 1943 gelungen, ihn mit der Begründung anzufordern, Dr. Wienskowitz für kriegswichtige Forschung zu benötigen. Zweimal hat er ihn vor der Deportation geschützt, indem er ihn mit Hilfe eines befreundeten Arztes ins Krankenhaus einweisen ließ. Anfang 1945 wurde Dr. Hans Wienskowitz schließlich doch nach Theresienstadt deportiert: am 22. Februar mit dem letzten Transport von Augsburg aus. Im Juni 1945 erhielt Else Wienskowitz von Margareta Eichelberger aus Theresienstadt einen traurigen Brief:

„Sehr geehrte Frau Wienskowitz, wenn ich heute an Sie einige Zeilen richte, so erfülle ich die traurige Pflicht, Ihnen mitzuteilen, dass Ihr lieber Gatte am 6. Mai an Fleckfieber erkrankte und wie ich von ärztlicher Seite erfahren habe, sein Gesundheitszustand ein sehr ernster war und bei seiner schwachen Constitution den Tod herbei führte. Ich kannte Herrn Doktor von Augsburg und als ich Anfang März ihn hier wieder traf, hatte ich mich seiner angenommen, um ihm das Lagerleben, nachdem ich schon fast 3 Jahre hier bin und in der Fürsorge arbeite, etwas zu erleichtern und angenehmer zu gestalten. Er arbeitete als Arzt erst in der Ambulanz der Internen Abteilung und dann wurde ihm der Dienst in einer Fleckfieber-Quarantäne übertragen und dort hatte er sich leider infiziert.“

Christine Lipp-Peetz, Dr. Hans Wienskowitz, in: Benigna Schönhagen und Michael Spotka, Augsburgs jüdische Ärzte im Nationalsozialismus. Ein Stadtrundgang, Augsburg 2016.

Privatsammlung Christine Lipp-Peetz

Stadtarchiv Augsburg (StadtAA)
Bestände Familienbögen und Meldekartei

Christine Lipp-Peetz, „Seit 70 Jahren gedenken die Dillinger eines ganz besonderen Arztes“, in: Augsburger Allgemeine, 8.9.2015 (via: http://www.augsburger-allgemeine.de/dillingen/Seit-70-Jahren-gedenken-die-Dillinger-einesganzbesonderen-Arztes-id35384697.html).

Gernot Römer (Hg.), „An meine Gemeinde in der Zerstreuung“. Die Rundbriefe des Augsburger Rabbiners Ernst Jacob 1941 – 1949. Mit einem Beitrag von Walter Jacob (Materialien zur Geschichte des Bayerischen Schwaben, Bd. 29), Augsburg 2007.