Christian Lossa

Geboren: 28.07.1906, Sandizell, BA Schrobenhausen

Gestorben: 30.05.1942, Flossenbürg

Wohnorte

Augsburg, Ulmerstraße 52
Augsburg, Grüntenstraße 25
Laufen
Ravensburg
Augsburg, Bärnhornstraße 4
Augsburg, Wertachstraße 1
Augsburg, Widderstraße 35
Augsburg, Brunnenstraße 32
Augsburg, Neuburgerstraße 105
Augsburg, Wertachstraße 1
Rottenburg
Augsburg, Steinerne Furth 28
Dettingen
Augsburg, Gneisenaustraße 2

Orte der Verfolgung

KZ Dachau

Zuchthaus Ludwigsburg

KZ Flossenbürg

Weitere Informationen

Dies ist die Geschichte von Christian Lossa, geboren am 28. Juli 1906 in Sandizell, Kreis Schrobenhausen.

Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Kenntnisse über ihn haben wir fast ausschließlich aus der Perspektive der Machthaber und Peiniger, also derjenigen, die ihm und seiner Familie die Lebensperspektive von Anfang an erschweren, dann zerstören und am Ende sogar seine physische Existenz und die seines Sohnes Ernst vernichten.1 Wir wissen nichts über Christians Lebensträume, Vorlieben, Ziele, Sehnsüchte, Empfindungen und Ängste.

Christian Lossas Vater Ernst war wie seine Ehefrau Barbara als Hausierer und Gürtler tätig. Im Jahr 1922 verlässt Barbara Lossa ihren Mann und die 9 Kinder.2 Nach der Trennung von seiner Frau Barbara lässt sich Ernst Lossa mit seiner erheblich jüngeren Geliebten Paula3 in Klein-Eibstadt (Unterfranken) nieder. Barbara Lossa wiederum heiratet in Augsburg einen verwitweten Korbflechter und zieht auch dessen 6 Kinder auf.4

Ernst Lossa ist bei der Polizei kein unbeschriebenes Blatt.5 Er hat eine lange Vorstrafenliste für schweren Diebstahl, Urkundenfälschung, Unterschlagung, Bettelei. Auch seine Ehefrau Barbara ist wegen Diebstahls, Bettelei und Übertretung der Gewerbeordnung und nach der Trennung wegen Konkubinats vorbestraft.6

Für die Behörden im Kaiserreich und in der Weimarer Republik sind Zigeuner und Jenische identisch mit Landstreichern, Arbeitsscheuen und Asozialen. Die Polizeidirektionen in Bayern halten sie unter strenger Observierung.7 Eine Diskriminierung und Stigmatisierung der Jenischen ist seit Mitte des 17. Jahrhunderts in Europa nachweisbar.8

Der Teenager Christian Lossa sieht nach eigenen Aussagen die Mutter kaum, denn von Februar bis November jeden Jahres wird er von ihr bei einem Bauern untergebracht.9 Seine Mutter tingelt durch die Dörfer, als Gürtlerin verzinnt sie Rauchfässer und Lüster, versilbert Lampenständer, bemalt Wände, Decken, Emporen und Orgeln. Sie ist sehr beliebt und angesehen bei den Pfarrern, weil sie vorzügliche Arbeit leistet.10

Christian verlässt das Elternhaus sehr früh und verdient sein Geld wechselweise als Hausierer und Gürtler. Beim Vater hat er den Beruf des Gürtlers erlernt, aber keine Gesellenprüfung abgelegt. Christian ist nur 1,63 cm groß, 70 kg schwer, hat dunkelblonde Haare, blaugraue Augen und lückenhafte Zähne.11

Die Trennung der Eltern setzt ihm sehr zu, er verliert jeglichen Halt, sodass er von 1922 bis 1933 immer wieder vor Gericht steht und zahlreiche Haftstrafen abbüßen muss.12 Es handelt sich um kleinere Vergehen, von Betteln bis Unterschlagung, Erpressung, Meuterei, Diebstahl. Bei seiner ersten Verhaftung ist Christian ist noch keine 17 Jahre alt.13

Jenische sind in der Öffentlichkeit so wenig geduldet wie Sinti und Roma, die Strafen für kleinere Vergehen fallen daher drastisch aus.14

Auf einem Fest der Fahrenden mit Musik und Tanz lernt er Anna kennen, sie ist 19, er ist 22 Jahre. Sie ist fasziniert von seinem eleganten Äußeren. Er kann gut tanzen und spielt wie sie die Ziehharmonika. Am 1. März 1929 heiraten die beiden, ein Baby ist bereits unterwegs.15

Anna Lossa16, geb. Anger, ist am 25. Oktober 1909 in Ummendorf Kreis Biberach, geboren. Sie wächst in Buchau in der schwäbischen Alb mit 12 weiteren Geschwistern auf. Auch ihre Eltern sind Jenische.17

Nach der Geburt ihrer Kinder Ernst, Amalie und Anna wohnt die Familie im Winter in Augsburg, im Sommer zieht die gesamte Familie zum Broterwerb durch bayerische und württembergische Gemeinden. Christian und seine Frau verkaufen Hosenträger, Schnürsenkel, Kochgeschirr und Halsschmuck. Die Meldebescheinigung der Stadt Augsburg registriert von 1929 bis 1939 28 Zu- und Wegzugsmeldungen der Familie. Allein dieser Tatbestand belegt die zunehmende Schwierigkeit der Ausübung seines Berufes.18

Als Christians Ehefrau Anna am 24. September 1933 im Alter von 23 Jahren im Krankenhaus in Augsburg-Pfersee an Lungentuberkulose stirbt,[noteStadtarchiv Augsburg, Totenschauscheine 1933; Leichenschauschein Krankenhaus Pfersee. Stunde des Todes 19.30 Uhr, Dauer der Krankheit: seit 13.6.1933 im Krankenhaus. Todesursache: offene Lungentuberkulose, gez. Dr. Schnitzler.][/note] hinterlässt sie ihm vier unmündige Kinder: Ernst ist 4 Jahre, Amalie 2 ½, Anna 17 Monate und Christian ist ein Baby von 3 Monaten. Die Kinder werden durch das Fürsorgeamt Augsburg schon im Juli 1933 ins Kinderheim Hochzoll bzw. ins Säuglingsheim Oberhausen in der Kapellenstraße eingewiesen. Ein solcher Akt, nämlich die Einweisung sämtlicher Kinder in Heime, entbehrt auch nach NS-Gesetzgebung jeglicher Grundlage.19

Weder vor dem Tod seiner Frau noch jetzt ist er in der Lage, den Lebensunterhalt für seine 4 kleinen Kinder zu sichern, geschweige denn, dass er sich um diese kümmern kann.20

Seit Mitte der 1930er Jahre verschärfen die Nationalsozialisten die „Maßnahmen zur Bekämpfung der Zigeunerplage“ erheblich. Landfahrende werden noch stärker als bisher durch die Polizei überwacht und verfolgt. Die Geschäfte der Zigeuner und Jenischen laufen immer schlechter, das Kontrollnetz wird immer dichter. Vermehrt werden Wandergewerbescheine verweigert und Kinder in Fürsorgeerziehung überwiesen.

Der „Grundlegende Erlass über die vorbeugende Verbrechensbekämpfung durch die Polizei“ vom 14. Dezember 193721 ermöglicht die polizeiliche Vorbeugehaft u.a. von Zigeunern und Jenischen. Die 1938 folgenden Verhaftungsaktionen der Gestapo und der Kripo gegen „Gewohnheitsverbrecher“ und „Asoziale“ mit der Aktion „Arbeitsscheu Reich“ führen zu Deportationen in die Konzentrationslager Buchenwald, Dachau, Sachsenhausen und Neuengamme.22 Unter den betroffenen Personen befindet sich auch Christians Cousin Walter Lossa; unter den in Kinderheime oder in die Heilanstalt abgeschobenen Personen sind die Kinder seines Onkels Georg Lossa, Philipp, Anton, Victoria und Ernst Lossa. Pauschale Etikettierungen seitens des Gesundheitsamtes Augsburg wie „Krankhafter Wandertrieb“, „streunt und schwänzt die Schule“ (Walter Lossa), „psychopathische Veranlagung; sittlich gefährdet und verwahrlost, streunt und hausiert, zigeunerhaft asoziale Neigungen“ (Victoria Lossa); „manisch-depressiv, Schwachsinn“ (Anton Lossa) oder gar nur das apodiktische Urteil „Sehr ungünstige Erbanlage der Familie Lossa“ genügen, um sie hinter Gitter, in die Heilanstalt oder ins Kinderheim zu verfrachten.23

Christian Lossa selbst wird ebenfalls von der ganzen Härte dieser Erlasse getroffen.24 Im September 1934 wird er in Stuttgart wegen Bettels, im Oktober in Aichach wegen Übertretung der Gewerbeordnung und Bettels, dann erneut im April 1935 in Tübingen wegen Bettels festgenommen und zu Haftstrafen zwischen 3 Tagen und 4 Wochen verurteilt.25

Im September 193526 wird Christian Lossa erneut verhaftet und Ende Januar 1936 ins Konzentrationslager Dachau eingewiesen. Seine Einlieferung wird mit dem „Arbeitszwang-Gesetz vom 29. Dezember 1935“ scheinlegitimiert.27 Wir wissen so gut wie nichts über seinen Zwangsaufenthalt dort, lediglich dass er für 3 Monate in ein Außenlager kommt. Die Nazis rauben ihm grundlos 3 Jahre seines Lebens, erst an Weihnachten 1938 erhält er seine Entlassung.28

Christian möchte ins Berufsleben zurückkehren, nimmt eine Arbeit in Dettingen an, muss aber wegen gesundheitlicher Probleme die Arbeit kündigen. Ein letztes Mal kehrt er nach Augsburg zurück und wohnt einige Wochen bei seinem Bruder Fritz in der Gneisenaustraße 2.29 Von Anfang April bis zum 5. Mai 1939 zieht Christian Lossa dann durch eine Reihe von bayerischen und württembergischen Gemeinden. Folgt man den Gerichtsakten, so begibt er sich unter falschem Namen zu den Kirchenpflegern der Gemeinden Fulgenstadt, Rederzhausen, Rettenberg, Langweid, Schmieden, Allmendingen, Ziefaltendorf, Dettingen usw. und behauptet, Kirchengeräte wie Monstranzen, Altarleuchter, Weihrauchfässer, Kelche usw. repariert bzw. versilbert zu haben. Hierfür möchte er die Unkosten eintreiben. In den meisten Fällen legt er eine fingierte Rechnung vor, unterschrieben durch den Ortspfarrer mit Zahlungsanweisung. In 11 Fällen kann er einen Betrag zwischen 30 und 40 RM einsammeln, manchmal wird ihm nicht geglaubt und er muss unverrichteter Dinge abziehen. Am 5. Mai 1939 wird er in Wilflingen auf frischer Tat ertappt und verhaftet.

Das Landgericht Rottweil verurteilt ihn am 7.9.1939 zu einer Haftstrafe von 2 Jahren wegen fortgesetzten Betrugs und der Urkundenfälschung und weist ihn ins Zuchthaus Ludwigsburg ein.30 Wegen der Vorstrafen werden ihm keine mildernden Umstände zugebilligt.31

Zwei Briefe geben Einblick in Christian Lossas Denken. Einer ist an seine Schwester gerichtet, welche aber die Annahme des Briefes verweigert.32

Am 11. Februar 1940 schreibt er an seinen Vater Ernst Lossa nach Kleineibstadt:

„Lieber Vater … immer  wieder trifft mich das Unglück so hat es sein müssen dass ich wieder 2 Jahre in Gefangenschaft bin … glaubt mir … dieses Mal werde ich es mir merken so lange ich lebe, ich habe nur die hohe Strafe erhalten wegen kirchlichen Arbeiten und ich werde in Zukunft dieses Geschäft bleiben lassen so wahr ich lebe … Lieber Vater ich bitte euch von ganzem Herzen verstoßt mich deswegen nicht und in Zukunft werde ich mich bessern und nach meiner kommenden Freiheit werde ich nur noch arbeiten und sorgen für meine drei kleinen Kinder, und wieder Vater sein wie es sich gehört als rechtschaffener Mensch. Dann weiß ich bestimmt dass ich nie wieder einen falschen Weg gehe, und in einen Abgrund falle so wahr mir Gott helfe …“33

Christian Lossa ist bekannt, dass die Briefe von der Zuchthausverwaltung geöffnet und gelesen wurden,34 so enthält er sich jeglicher Kritik an der harschen Strafe und an den allzu strengen Maßnahmen der Polizeibehörden und nimmt jegliche Schuld auf sich. Kurz vor Ende der Verbüßung der Zuchthausstrafe stellt die Kriminalpolizeileitstelle Stuttgart eine Anfrage beim Zuchthaus Ludwigsburg, Christian Lossa betreffend.

In dem Schreiben heißt es: „… zur Prüfung der Frage der Anordnung vorbeugender Maßnahmen bitte ich um Fertigung einer Abgangsbeurteilung über ihn sowie um Stellungnahme …, ob seine Freilassung nach Strafverbüßung verantwortet werden kann oder ob er nach wie vor als Asozial anzusehen ist und von ihm weitere Straftaten zu befürchten sind.“35

Um den Erwartungen der Kriminalpolizei Stuttgart nachzukommen, bestätigt der zuständige Beamte im Zuchthaus Ludwigsburg am 13. August 41, dass sich „der Zuchthausgefangene Christian Lossa“ „nicht ganz einwandfrei geführt“ habe.“ Er sei „ein arbeitsscheuer, jähzorniger und lügnerischer Mensch, der sich in der Freiheit nicht halten könne“. Infolgedessen halte er die polizeiliche Vorbeugungshaft für angebracht.36 Die staatliche Kriminalpolizei der Polizeileitstelle Stuttgart kommt daher zum Entschluss, für Christian Lossa nach Verbüßung seiner Strafe „die polizeiliche Vorbeugungshaft als Berufsverbrecher anzuordnen.37

Wir halten fest: als Christian Lossa seine Strafe am 7. September 1941 verbüßt hatte, wurde er nicht in die Freiheit entlassen, wie das in einem demokratischen Rechtsstaat der Fall ist, sondern der Polizeileitstelle Stuttgart „zugeliefert38 und wiederum in Vorbeugehaft genommen.39 Nach einem Monat weiterer Haft in Stuttgart wird Christian Lossa am 7.10.1941 in das Schubgefängnis Nürnberg überstellt.40 Von Nürnberg aus wird Christian Lossa eine Woche später, am 13.10.1941, in das KZ Flossenbürg überstellt und dort „als rückfälliger Vorbeugehäftling“ Nr. 3243 registriert.41 Ob und in welchem Umfang er im KZ Flossenbürg Zwangsarbeit leisten musste, ob er gefoltert, misshandelt, erniedrigt wurde, wissen wir nicht. Fest steht, dass Christian Lossa, der Vater von vier Kindern, im Alter von 36 Jahren durch Nazischergen ermordet wurde. Seine Todesursache ist nicht bekannt. Die ärztliche Bescheinigung, ausgestellt vom SS-Standortarzt des KZ Flossenbürg, SS- Obersturmbannführer Hofmann, konstatiert als Todesursache Herzschwäche an Lungentuberkulose und setzt sein Sterbedatum auf den 30. Mai 1942 fest.42

Die Biografie wurde erarbeitet von:
Dr. Bernhard Lehmann, 86368 Gersthofen, Haydnstraße 53 Tel. 0821/497862 e-mail: bernhard.lehmann@gmx.de

  1. Je nach Aktenlage und Akteneinsicht, z.B. neuen Funden, ist diese unvollständige Biographie einer ständigen Revision unterworfen.
  2. Staatsarchiv Ludwigsburg E 356 d V Bü 2578 Gefangenenpersonalakte Christian Lossa. Zuchthaus Ludwigsburg, Fragebogen zur persönlichen Situation des Häftlings; Christian Lossa, 20.9.1939 an die Polizeidirektion Augsburg; anders Robert Domes, Nebel im August. Die Lebensgeschichte des Ernst Lossa, München, 4. Auflage 2008, S. 54. Dort wird Ernst Lossa die Schuld an der Trennung gegeben.
  3. Dies geht aus dem Brief Christian Lossas an seinen Vater hervor. Brief vom 11.2.1940 an Ernst Lossa, wohnhaft in Kleineibstadt: Staatsarchiv Ludwigsburg, E 356 d V Bü 2578 : Gefangenenpersonalakte Christian Lossa. Auf dem Transportzettel vom 8.2.1940 wird seine Größe allerdings mit 1,75 m angegeben, seine Haarfarbe als dunkelblond beschrieben.
  4. So R. Domes, S. 54. Im Juli 1937 verstirbt Christian Lossas Mutter, die nach der Heirat mit dem Korbflechter den Namen Barbara Berie trug.
  5. Stadtarchiv Augsburg, Gesundheitsamt A, Abteilung für Erb- und Gesundheitspflege, Akt Nr. 6118. Dort geht es zwar um den Bruder des Ernst Lossa, den Onkel von Christian, aber hier gibt es Hinweise auf dessen Familie. Hier heißt es: „Aufgrund von Erhebungen und Einsicht in die Polizei- und Fürsorgeerziehungsakten wurde über die Familie Georg Lossa, geb. 22.8.1873, wohnhaft Augsburg, Wartenbergerstr. 7 a folgendes festgestellt: „Georg Lossa ist Gürtler, zog früher nach Zigeunerart im Land herum. Weit zurückliegende Strafen wegen Körperverletzung und wegen Übertretung der Reichsgewerbeordnung (1939). Über weitere Vorstrafen ist nichts bekannt. War früher Trinker. Unfähig zur Erziehung der Kinder. Vater Gürtler, im Zigeunerbuch unter Nr. 1480 eingetragen. Bruder Ernst Lossa (= Vater von Christian Lossa) ist vorbestraft wegen Diebstahl, Körperverletzung etc. Mutter Pauline Lossa geb. Meißl geb. 31.10.75 kann nicht lesen und schreiben. Ist eine vollständig erziehungsunfähige, aufgeregte, unverträgliche Frau. Ernst Lossa muss die Schwester von Pauline Lossa geheiratet haben, siehe Meldebescheinigung der Stadt Augsburg. Dort heißt es Lossa Ernst, verheiratet mit Lossa Barbara, geb. Bayer, durchgestrichen, Meißl.“
    Im gleichen Akt Nr. 6118 folgt die Aufzählung der 15 Kinder von Georg und Pauline Lossa, von denen 5 als Kleinkinder verstarben, eine Tochter im Alter von 15 Jahren an Typhus. Sodann folgt eine Aufzählung der Kinder Cäcilie, Rosa, Ernst, Katharina, Victoria, Walter, Barbara, Anton usw. sowie deren „Vorbelastung“ bzw. Vorstrafen.
  6. So Robert Domes, S. 48. Zigeuner und Fahrende standen seit langer Zeit unter Observation der Behörden. Das Zigeunerbuch von Alfred Dillmann von 1905, herausgegeben von Sicherheitsbüro der Polizeidirektion München listete sämtliche Zigeunerfamilien, aber auch die Jenischen auf, mitsamt ihrer angeblichen kriminellen Vergehen. Siehe Robert Domes, ebenda. Der Fragebogen des Zuchthauses Ludwigsburg, siehe Anmerkung 2, behauptet allerdings, Vorstrafen des Vaters Ernst Lossa seien nicht bekannt, ebenda.
  7. So Robert Domes, S.26f; Zigeunerbuch von Alfred Dillmann, München 1905, hrsg. vom Sicherheitsbüro der Polizeidirektion München; dieses Zigeunerbuch ist auch erwähnt in der Akte 6118 im Stadtarchiv Augsburg, Gesundheitsamt A, Abteilung für Erb- und Gesundheitspflege. Der Vater von Georg und Ernst Lossa, Michael Lossa, der Großvater von Christian Lossa, war bereits mitsamt seiner Strafen im Zigeunerbuch unter Nr. 1480 erwähnt. In Deutschland wurden um die Jahrhundertwende Verordnungen und Erlasse angeordnet, um dem Umherreisen der „Zigeuner“ Herr zu werden. Die Anweisung zur Bekämpfung des Zigeunerunwesens von 1906 umfasste ein Verbot des „Reisens in Horden“, wodurch die Familien und Gemeinschaften der Roma vor existenzielle Schwierigkeiten gestellt wurden. Torben Fischer, Matthias N. Lorenz: Lexikon der „Vergangenheitsbewältigung“ in Deutschland: Debatten- und Diskursgeschichte des Nationalsozialismus nach 1945. transcript Verlag, 2007; Das bayerische Zigeuner- und Arbeitsscheuengesetz von 1926 sah unter anderem die Einweisung in Zwangsarbeitslager vor, ebenda, S. 313.
  8. http://gra.ch/bildung/gra-glossar/begriffe/diskriminierung-und-verfolgung-von-minderheiten/jenische-fahrende/
  9. R. Domes, S. 54.
  10. Ebenda, S. 55.
  11. Staatsarchiv Ludwigsburg E 356 d V Bü 2578 Gefangenenpersonalakte Christian Lossa. Zuchthaus Ludwigsburg, hausärztliches Gutachten des Gefangenen Nr. 8233 vom 20.9.1939; abweichend Transportzettel vom 8.2.1940.
  12. Staatsarchiv Ludwigsburg E 356 d V Bü 2578 Gefangenenpersonalakte Christian Lossa. Zuchthaus Ludwigsburg: Strafregister Christian Lossa, Staatsanwaltschaft Augsburg, 11.9.1939.
  13. ebenda.
  14. R. Domes, S. 55.
  15. Nach R. Domes, S. 32f; Unterlagen zu Anna Lossa im Stadtarchiv Augsburg, Meldebogen der Stadt Augsburg sowie Leichenschauschein Krankenhaus Pfersee Nr. 1543.
  16. Staatsarchiv Ludwigsburg E 356 d V Bü 2578 Gefangenenpersonalakte Christian Lossa. Zuchthaus Ludwigsburg; Lebenslauf Christian Lossa. Dort gibt er an, er habe seine Frau 1927 geheiratet und sei 6 Jahre verheiratet gewesen. Zwei ihrer 5 Kinder seien im Alter von 3 Monaten und einem halben Jahr verstorben.
  17. R. Domes, S. 30; http://gra.ch/bildung/gra-glossar/begriffe/diskriminierung-und-verfolgung-von-minderheiten/jenische-fahrende/; http://uni.de/redaktion/jenische.
  18. Stadtarchiv Augsburg, Meldebescheinigung Stadt Augsburg, Christian Lossa.
  19. So telefonische Auskunft von Robert Domes.
  20. So R. Domes, S. 328. Im Stadtarchiv Augsburg finden sich keine Akten mehr zum Fürsorgeamt und deren Maßnahmen. Tatsache ist, dass es auch der NS-Gesetzgebung widersprach, Kinder ohne Billigung der Eltern in ein Kinderheim zu stecken.
  21. Wolfgang Ayaß (Bearb.), „Gemeinschaftsfremde“. Quellen zur Verfolgung von „Asozialen“ 1933–1945, Koblenz 1998, Nr. 50.
  22. Wolfgang Ayaß: „Ein Gebot der nationalen Arbeitsdisziplin“. Die „Aktion Arbeitsscheu Reich“ 1938, in: Beiträge zur nationalsozialistischen Gesundheits- und Sozialpolitik, Bd. 6, Berlin 1988, S. 43-74; https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/die-mit-dem-schwarzen-winkel; https://de.wikipedia.org/wiki/Aktion_%E2%80%9EArbeitsscheu_Reich%E2%80%9C.
  23. Stadtarchiv Augsburg, Gesundheitsamt A, Abteilung für Erb- und Gesundheitspflege, Akt Nr. 6118.
  24. Eine Zusammenstellung dieser Maßnahmen gegen „Asoziale, Gewohnheits- und Berufsverbrecher“ im NS findet sich bei: http://archiv.teilhabe-berlin.de/asozial.html sowie unter: http://www.linkfang.de/wiki/Gewohnheitsverbrechergesetz Das Gewohnheitsverbrechergesetz sah für „gefährliche Gewohnheitsverbrecher“ eine Strafverschärfung und die obligatorische Anordnung der Sicherungsverwahrung vor. Die Unterbringung war nicht befristet und hatte so lange fortzudauern, als der Schutz der öffentlichen Sicherheit es erforderte. Die Fortdauer der Sicherungsverwahrung wurde vom zuständigen Gericht im Abstand von drei Jahren überprüft. Die Reformideen des Gewohnheitsverbrechergesetzes, welches teilweise auf Plänen aus der Zeit der Weimarer Republik basierte, die unter anderem schon die Sicherungsverwahrung vorsahen, wurden von den Nationalsozialisten erheblich verschärft und für rassenpolitische Ideen modifiziert.
  25. Staatsarchiv Ludwigsburg E 356 d V Bü 2578 Gefangenenpersonalakte Christian Lossa. Zuchthaus Ludwigsburg: Strafregister Christian Lossa, Staatsanwaltschaft Augsburg, 11.9.1939.
  26. Staatsarchiv Ludwigsburg E 356 d V Bü 2578 Gefangenenpersonalakte Christian Lossa. Zuchthaus Ludwigsburg: Strafregister Christian Lossa, Staatsanwaltschaft Augsburg, 11.9.1939 Lebenslauf Ernst Lossa; anders R. Domes, dort ist vom 25.1.1936 als Termin der Einlieferung in Dachau die Rede, ebenda, S. 329; allerdings ist auch im Melderegister der Stadt Augsburg von der Abmeldung ins Arbeitslager Dachau am 17.9.1935 die Rede. Das Urteil des Landgerichts Rottweil spricht von einer 35-monatigen Unterbringung im „Schutzhaftlager Dachau“ wegen Häufung der Strafen. Widersprüchlich hierzu die Auskunft des ITS Bad Arolsen zu Christian Lossa. Dort ist lediglich eine 28-tägige Haft im KZ Dachau von Ende Januar bis Ende Februar 1938 dokumentiert. Digitales Archiv ITS Bad Arolsen: Teilbestand: 1.2.2.1, Dokument ID: 11834048 und Dokument ID: 11575253 – Listenmaterial Gruppe PP.
  27. Auskunft Albert Knoll, Archivar der KZ Gedenkstätte Dachau vom 2.9.2016: ITS 89, Einlieferungen auf Grund des Arbeitszwangs-Gesetzes 29.12.1935 – 30.01.1936, S 2; NARA Alphab. Register Nr. 102 S. 246; NARA Zugangsbuch Nr. 103 / 13566.
  28. Staatsarchiv Ludwigsburg E 356 d V Bü 2578 Gefangenenpersonalakte Christian Lossa. Zuchthaus Ludwigsburg, Urteil des Landgerichts Rottweil.
  29. Meldebogen Christian Lossa, Stadtarchiv Augsburg; Staatsarchiv Ludwigsburg E 356 d V Bü 2578. Gefangenenpersonalakte Christian Lossa. Zuchthaus Ludwigsburg, Zuchthaus Ludwigsburg mit Zweiganstalt Hohenasperg an die Polizeidirektion Augsburg, 20.9.1939 Erfassungsbogen der Person Christian Lossas; identisch mit der Urteilsbegründung des Landgerichts Rottweil vom 7.9.1939.
  30. Staatsarchiv Ludwigsburg E 356 d V Bü 2578 Gefangenenpersonalakte Christian Lossa. Urteil des Landgerichts Rottweil vom 7.9.1939.
  31. Staatsarchiv Ludwigsburg E 356 d V Bü 2578 Gefangenenpersonalakte Christian Lossa. Urteil des Landgerichts Rottweil vom 7.9.1939, Urteilsbegründung.
  32. Staatsarchiv Ludwigsburg E 356 d V Bü 2578 Gefangenenpersonalakte Christian Lossa. Brief Christian Lossas an Barbara Gräßle, 26.9.1939, Rottenburg a. Neckar, Klostergasse 14. Annahme verweigert mit eigenhändiger Unterschrift von Betty Gräßle, 27.9.1939.
  33. Staatsarchiv Ludwigsburg E 356 d V Bü 2578 Gefangenenpersonalakte Christian Lossa. Brief Christian Lossas an Ernst Lossa, Kleineibstadt, 11.2.1940; ebenda.
  34. Ebenda. Der Brief an seinen Vater besagt in der Kopfzeile: Eröffnet den 23.5.1940.
  35. Ebenda. Anfrage der Kriminalpolizeileitstelle Stuttgart an den Vorstand des Zuchthauses Ludwigsburg vom 12.8.1941.
  36. Ebenda. Schreiben des Oberregierungsrates im Zuchthaus Ludwigsburg an die Polizeileitstelle Stuttgart am 13.8.1941.
  37. Schreiben der Kriminalleitstelle Stuttgart an den Vorstand des Zuchthauses Ludwigsburg am 18.8.1941, ebenda.
  38. Ebenda, Oberregierungsrat Klaus am 7.9.1941 an das Polizeigefängnis Stuttgart II, Büchsenstr. 37.
  39. Siehe Text oben; Wolfgang Ayaß (Bearb.), „Gemeinschaftsfremde“. Quellen zur Verfolgung von „Asozialen“ 1933–1945, Koblenz 1998, Nr. 50.
  40. Staatsarchiv Nürnberg, Polizeigefängnis in Nürnberg (Schubgefängnis), Gefangenenbuch B. Eintrag Laufende Nr. 8. Der Gefangene Karl Baumann, geb. am 29.0.1897, wurde gemeinsam mit Christian Lossa in das Schubgefängnis überstellt. Mitteilung des Archivamtsrats Friedrich am 19.08.2005.
  41. KZ Gedenkstätte Flossenbürg, Mitteilung des Leiters der Gedenkstätte Jörg Skriebeleit vom 27.10.2004 an Robert Domes.
  42. Der SS-Standortarzt K.L. Flossenbürg, 30. Mai 1942; Ärztliche Bescheinigung: Am 30.Mai 1942 um 14 Uhr verstarb im Häftlings-Krankenbau des K.L. Flossenbürg aberkannte Rückf.-Vorb. Häftling Nr. 3243 Lossa Christian geb. am 28.7.1906 zu Sandizell an Herzschwäche bei Lungentuberkulose.
    Personalien:
    Lossa Christian geb. 28. Juli 1906 zu Sandizell; Religion: Katholisch; Stand: verwitwet; Beruf: Goldarbeiter; Vater: Ernst, Wohnung: Klein-Eibstadt, U/Franken; Mutter: Barbara, geb. Baier verst. . Bruder: Ernst Lossa Dettingen an der Ems; Kreis: Reutlingen. Gez. der SS-Standortarzt K.L. Flossenbürg Hofmann (?) SS-Obersturmbannführer.

Digitales Archiv ITS Bad Arolsen
Teilbestand: 1.2.2.1
– Dokument ID: 11834048
– Dokument ID: 11575253 – Listenmaterial Gruppe PP

Stadtarchiv Augsburg
Gesundheitsamt
– Abteilung für Erb- und Gesundheitspflege, Aktnr. 6118

Meldebescheinigung Stadt Augsburg, Christian Lossa

Staatsarchiv Ludwigsburg
– E356 d V Bü 2578 Gefangenenpersonalakte Christian Lossa

Staatsarchiv Nürnberg
Polizeigefängnis in Nürnberg (Schubgefängnis)
– Gefangenenbuch B. Eintrag Laufende Nr. 8

Alfred Dillmann, Zigeunerbuch, herausgegeben zum amtlichen Gebrauche im Auftrage des K.B. Staatsministeriums des Innern vom Sicherheitsbureau der K. Polizeidirektion München, München 1905.

Wolfgang Ayaß (Bearb.), „Gemeinschaftsfremde“. Quellen zur Verfolgung von „Asozialen“ 1933–1945, Koblenz 1998.

Robert Domes, Nebel im August, Die Lebensgeschichte des Ernst Lossa, 4. Auflage, München, 2008.