Bebo Wager

Geboren: 29.12.1905, Augsburg

Gestorben: 12.08.1943, München/Strafanstalt Stadelheim

Wohnorte

Augsburg, Reichensteinstraße 34

Ort der Verfolgung

München, Strafanstalt Stadelheim

Weitere Informationen

Ein kurzes Leben für ein besseres Deutschland

Bebo Wager wurde am 12. August 1943 durch das Fallbeil im Gefängnis Stadelheim hingerichtet

Der Augsburger Bebo Wager zählte zu den führenden Köpfen des sich über ganz Südbayern und in Österreich bis nach Wien erstreckenden organisierten Widerstandes von Sozialdemokraten gegen Hitler. Sie nannten sich Revolutionäre Sozialisten und waren in dreizehn örtlichen Gruppen existent, die untereinander und bis Kriegsbeginn auch mit der im Prager Exil befindlichen SPD-Führung in Verbindung standen.

Ihre Hauptaufgabe erstreckte sich auf die Sammlung von örtlichen Informationen über den alle Lebensbereiche zwangsweise umfassenden NS-Machtapparat, die Information der Bevölkerung über die reale Lage im Reich meist durch anonyme Schriften und die Vorbereitung einer neuen sozialen und demokratischen Ordnung nach dem – dies bedeutete eine große Fehleinschätzung – bald erwarteten Zusammenbruch des Hitlerregímes. Im Jahre 1942 wurde diese Widerstandsorganisation im Rahmen einer großen Verhaftungswelle von der Geheimen Staatspolizei enttarnt. Neben Bebo Wager sind weitere zehn Mitglieder der Revolutionären Sozialisten – u.a. auch Hermann Frieb, der im Raum München den Widerstand organisierte – nach kurzen Prozessen hingerichtet worden. Andere mussten langjährige Zuchthausstrafen erleiden.

Hinrichtung in Stadelheim

Der 1905 geborene Bebo Wager – bei der Augsburger MAN als Eisendreher und Elektriker tätig – schloss sich schon als 17-Jähriger der sozialistischen Arbeiterjugend an und war in der örtlichen SPD aktiv. 1933 – dem Jahr der Machtübernahme durch Hitler – reifte in ihm der Gedanke zum Widerstand gegen das Unrecht. Nach Bildung der Augsburger Gruppe – der auch Sozialdemokraten aus Kempten, Ulm, Günzburg, Nördlingen und anderen schwäbischen Gemeinden angehörten – sorgte er sich um den Zusammenhalt und das Funktionieren dieses Widerstandskreises. Er setzte sich aber auch mit anderen organisierten Nazigegnern – etwa mit der örtlichen katholischen Gruppierung um den Augsburger Rechtsanwalt Dr. Franz Reisert – in Verbindung. Insbesondere lag ihm dabei die staatliche Neuorganisation nach der Beseitigung des „HitIerspuks” am Herzen. Im April 1942 erfolgte seine Verhaftung, am 27. Mai 1943 ist er durch den NS-Volksgerichtshof in Innsbruck zum Tode verurteilt worden. Am 12. August 1943 wurde er im Gefängnis Stadelheim durch das Fallbeil hingerichtet und im Perlacher Forst begraben.

Erschütterndes Dokument

1947 erfolgte die Überführung in seine Heimatstadt und die Beisetzung in einem Ehrengrab der Stadt Augsburg auf dem Westfriedhof. An Eugen Nerdinger – enger Weggefährte Wagers und nur deshalb die NS-Zeit überlebend, weil dieser während seiner Inhaftierung trotz massiver Repressalien seine Mitstreiter nicht verriet – richtete Bebo Wager am Tage seiner Hinrichtung und im Anblick des Todes – gleichsam als Vermächtnis seiner Menschlichkeit – folgenden Brief: „Hab Dank für Deine Freundschaft. Bleib auch den Meinen treu und hilf ihnen zu überwinden. Auch mein Kamerad Frieb stirbt heute mit mir. Grüße Deine Frau und Deinen Jungen – und werde glücklich in einer besseren Zukunft, für die heute Abend fünf Uhr mein Kampf zu Ende geht“.

Mit einfachen Worten ein erschütterndes Dokument eines kurzen Lebens für ein besseres Deutschland!

Dr. Heinz Münzenrieder
Vorsitzender des Präsisiums des Verwaltungsrates der AWO Bezirksverband Schwaben e. V.

Heike Brettschneider, Revolutionäre Sozialisten. Der Augsburger Bebo Wager und seine Freunde, München 1993.

Gerhard Hetzer, Die Industriestadt Augsburg. Eine Sozialgeschichte der Arbeiteropposition, in: Martin Brozat u. a. (Hg.), Bayern in der NS-Zeit. Bd. III, München 1981, S. 1 – 233, vor allem S. 200 ff.

Eugen Nerdinger, Brüder zum Licht empor. Ein Beitrag zur Geschichte der Augsburger Arbeiterbewegung, Augsburg 1984, S. 203 ff.